«Sinners are Winners»

Die Grenzen von Kunst und Wirklichkeit fließen frei bei den Sieger:innen des Jahres: über Julia Riedler, Dea Loher, DARUM und Florentina Holzinger

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Die Kunst sei «folgenlos, nicht wirklich wirkend». Starke Worte – geäußert hat sie niemand anders als Carl Hegemann, der kürzlich viel zu früh verstorbene legendäre Dramaturg, Autor, Professor, Gedankensprüher, Volksbühnenheld, Vielredner (s. TH 07/2009). Sein Gewährsmann heißt Friedrich Schiller. Die Folgenlosigkeit sei der hohe Preis, den die Kunst bezahlen müsse für ihre hochgerühmte und inzwischen grundgesetzlich abgesicherte Freiheit, ihre ganz besondere Autonomie.

Bei Schiller heißt das: «Mitten in dem furchtbaren Reich der Kräfte und dem heiligen Reich der Gesetze baut der ästhetische Bildungstrieb unvermerkt an einem dritten, fröhlichen Reiche des Spiels und des Scheins, worin er den Menschen die Fesseln aller Verhältnisse abnimmt und ihn von allem, was Zwang heißt, sowohl im Physischen als im Moralischen entbindet.» Also frei von allen Zwängen, einschließlich der Moral, aber dafür nur scheinhaft, eben, so Hegemann weiter «abgekoppelt von den realen gesellschaftlichen Prozessen und Entscheidungen».

Insgesamt eine feine hochromantische Kunsttheorie, aber nur, wenn man zwischen Schein und Wirklichkeit auch tatsächlich eine klare Linie ziehen kann, zum Beispiel eine hohe ...

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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 36
von Franz Wille

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