«Sinners are Winners»
Die Kunst sei «folgenlos, nicht wirklich wirkend». Starke Worte – geäußert hat sie niemand anders als Carl Hegemann, der kürzlich viel zu früh verstorbene legendäre Dramaturg, Autor, Professor, Gedankensprüher, Volksbühnenheld, Vielredner (s. TH 07/2009). Sein Gewährsmann heißt Friedrich Schiller. Die Folgenlosigkeit sei der hohe Preis, den die Kunst bezahlen müsse für ihre hochgerühmte und inzwischen grundgesetzlich abgesicherte Freiheit, ihre ganz besondere Autonomie.
Bei Schiller heißt das: «Mitten in dem furchtbaren Reich der Kräfte und dem heiligen Reich der Gesetze baut der ästhetische Bildungstrieb unvermerkt an einem dritten, fröhlichen Reiche des Spiels und des Scheins, worin er den Menschen die Fesseln aller Verhältnisse abnimmt und ihn von allem, was Zwang heißt, sowohl im Physischen als im Moralischen entbindet.» Also frei von allen Zwängen, einschließlich der Moral, aber dafür nur scheinhaft, eben, so Hegemann weiter «abgekoppelt von den realen gesellschaftlichen Prozessen und Entscheidungen».
Insgesamt eine feine hochromantische Kunsttheorie, aber nur, wenn man zwischen Schein und Wirklichkeit auch tatsächlich eine klare Linie ziehen kann, zum Beispiel eine hohe ...
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Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 36
von Franz Wille
Uraufführungen
A Nora Abdel-Maksoud
Wokey Wokey (Münchner Kammerspiele)
Duygu Ağal
Paradies-Acker (Düsseldorfer Schauspielhaus)
Sina Ahlers
Schamparadies (Staatstheater Kassel)
Sina Ahlers, Zara Ali und Katharina März
Kritter (AT) (Theater Bielefeld)
Emre Akal
Es sagt, es liebt uns (Nationaltheater Mannheim)
Ayla Pierot Arendt
nach Susan Sontag: Das Leiden...
Auf dem Weg vom Bahnhof zum Schauspielhaus durchquert die Besucherin eine der uncharmantesten Ecken Magdeburgs. In den Neunziger Jahren wurden zwischen Willy-Brandt-Platz und Otto-von-Guericke-Straße mehrere Mehrzweck- und Verwaltungsgebäude errichtet, eine Betonhölle, deren Tristesse ein paar überdimensionale, in mutigem Knallblau gestrichene Blumentöpfe für...
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Als ich gefragt wurde, ob ich Lust hätte, bei der Berliner IETM-Konferenz im vergangenen Mai eine Keynote zum Thema «Solidarität und Empathie als radikale Mittel des Widerstands» beizutragen, wusste ich gleich, worüber ich schreiben könnte. Ich notierte ein paar Stichworte, fand sie einigermaßen passend, und sagte den Programmverantwortlichen Anne Schneider und...
