«Wer spielt, lebt»
Cheering up? Wirklich? In einer Zeit, in der die Realität anmutet wie ein überproduziertes Endzeitdrama – nur ohne Pause, ohne Pointe? Die Gegenwart gleicht einem frontal entgleisten Schnellzug. Der Himmel: ein leerer Bildschirm. Die Luft: gesättigt mit Meinung, aber erschreckend arm an Haltung. Die Gesellschaft wühlt sich durch Debatten wie durch Schuttberge, während unter der Oberfläche längst das Fundament bröckelt.
Und dann die Frage: Wie halte ich mich bei Laune?
Ganz einfach: gar nicht. Ich stürze, jeden Tag aufs Neue. Und das mit einer gewissen Konsequenz.
Ich inszeniere mein eigenes Scheitern als Akt der Würde. Gute Laune ist ein Konzept für Menschen mit Rücklagen und Balkon. Ich stehe am Rand, betrachte die Trümmer und frage mich: Ist das Licht dafür gut genug?
Ich denke oft an den Tod. Nicht aus Schwermut, sondern weil er mir den Abstand gibt, den der Tag verweigert. Der Tod ist ein stiller Begleiter. Kein Feind, kein Erlöser – vielmehr eine Konstante. Eine Absi -cherung gegen die Beliebigkeit des Tages. Eine Exit-Strategie, die nie gezogen werden muss, um wirksam zu sein. Beruhigend wie ein schwarzer Vorhang.
Das ist kein Ruf zur Selbstaufgabe. Keine postromantische ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2025
Rubrik: Cheering up, Seite 100
von Ersan Mondtag
Die Aufführung des folgenden Stücks dauert 74 Minuten.» Mit diesem Satz eröffnen die Schauspieler:innen das neue Stück von Raphaela Bardutzky, Hausautorin am Staatstheater Nürnberg ab der Spielzeit 25/26. Genau 74 Minuten dauert ein durchschnittlicher Notfalleinsatz im Rettungsdienst in Deutschland, Beethovens 9. Sinfonie, dirigiert von Wilhelm Furtwängler im Jahr...
Als Dorothy in «Der Zauberer von Oz» aus dem Schlaf erwacht, findet sie sich im magischen Land Oz wieder. Die Hauptfigur in Akın Emanuel Sipals Stück aber kann gar nicht erst einschlafen. Mesut Özil, mit Mitte 30 frühverrenteter Fußballer, ist schlaflos. Das Wenige, was aus seinem (Privat-)Leben bekannt ist, und vor allem das viele, das nicht bekannt ist, eignet...
Text ist nach-dem Schreiben war / Schreiben ist wenn Worte werden / Wort ist wenn Buch-staben sind.»
Was bedeutet es etwas zu verstehen oder nicht zu verstehen? Welche Sprache braucht es dafür? Was passiert, wenn der Versuch des (Nicht-)Verstehens selbst zum Ge -genstand der künstlerischen Auseinandersetzung und eines Theatertextes wird? In der Spielzeit 2024/25...
