Schulen des Lebens
Nino hat einen Traum. Gut, er hatte schon viele Träume, der vorletzte hat ihn in einen Zweiradschrauber verwandelt. Irgendwann davor dürfte er vom ewigen Glück mit Erik geträumt haben, seinem vernunftgesteuerten Lebenspartner, zu dem Nino lange aufrichtig aufgeschaut hat. Länger als gut war. Jetzt jedenfalls steht Nino in diesem abgerockten Wirtshaus, glüht vor Energie, vor Hoffnung, spinnt vor Erik seine gastronomische Vision aus. Ihr vielsagender Name: «Sole Mio». Was alles damit zu tun hat, dass Nino die Bekanntschaft einer alleinstehenden Nachbarin gemacht hat. Einer alten Dame.
Frau Yamamoto. Vorname: Sole. Sie strahlt aus, was Nino fehlt: innere Ruhe.
Bis Nino ins Wirtshaus findet und in ein Leben, das womöglich für ihn stimmt, hat sich einiges ereignet in Dea Lohers Comeback-Stück «Frau Yamamoto ist noch da» (s. TH 10/24). Ei -niges in einem filigran komponierten Reigen mit einer Reihe von Leuten, bei denen gar nicht viel stimmt. Die sich begegnen, anziehen, abstoßen. Häufig Letzteres. Und die einander, je bekannter, desto fremder werden.
Da hält sich in Zürich eine reife reiche Dame (Charlotte Schwab) einen minderbemittelten Gigolo (Daniel Lommatzsch) und macht ihrem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Stephan Reuter
In einer rabenschwarzen Nacht hämmert eine hochschwangere Frau an die Türen einer Klinik, die direkt aus der mörderischen US-Thriller-Serie «Ratched» stammen könnte: Wer hier landet, der ist in schlechten Händen. Man sucht Hilfe und findet bloß Sadismus. Sibylle Bergs Roman «Toto oder Vielen Dank für das Leben» (2012) berichtet maximal zynisch von der...
Finster geht es zu am Meeresgrund, und das nicht nur, weil keine Sonne durchdringt. Auch emotional wird’s höchstens grau. Man entsteht halt, treibt ein bisschen Symbiose, frisst wen auf und wird gefressen. Schlechtgelaunte Zeitgenoss:innen könnten es dabei belassen, weil es spätestens in kosmischem Maßstab ja auch die Menschheit hier oben nicht besser hat: ein...
Prolog inklusive, sind 77 Stückchen Welt und Wahn zu entdecken im schriftstellerischen Debüt von Veit Sprenger, der 1997 das Per -formance-Kollektiv «Showcase Beat Le Mot» mitbegründet hat und bis heute unterwegs ist mit dem Ensemble. 77 tatsächliche Welten sind versammelt, weil Sprengers Kurz- und Kürzest-Geschichten durchweg in irgendeiner Art von Realität...
