Foto: picture-alliance/dpa
Shermin Langhoff: Pflichtfach Weltrettung
I would like to think that today we are living the imaginaries of those, who have been long gone», sagte Angela Davis vor kurzem bei einem Auftritt in London. Damit bezog sie sich auf Antonio Gramscis Aussage vom Pessimismus des Intellekts und Optimismus des Willens und sprach weiter: «Yes, we have always to believe that ultimately we will be able to change the world», angesichts der Frage, wie und warum Frau oder Mann trotz oder gerade ob der dystopischen Realitäten im «sogenannten Draußen» Aktivist*innen bleiben oder werden müssen.
Diese Worte treffen mich tief. Denn im selben Moment, in dem ich emphatisch YES rufen möchte, erkenne ich mich als längst vom Glauben abgefallen. Oder doch nicht? Warum fällt es so schwer, einen solchen Satz ungebrochen auszusprechen? Es gelingt mir, wenn ich an Rosa, meine Tochter, denke. Ihre utopischen Ideen sind ganz konkret. Sie ist gerade volljährig geworden und möchte in die Lehrpläne der Schulen ein neues Fach einführen: «Wie retten wir die Welt». Ein Fach, das Bewusstsein für Friedensarbeit, die endlichen Ressourcen der Erde und den Klimaschutz in Theorie und Praxis vermittelt.
Von diesen beiden Aktivist*innen, also Angela und Rosa, ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 22
von Shermin Langhoff
Eines unserer abendlichen Bettkantengespräche eröffnete mein zehnjähriger Sohn mit dem Geständnis, er verstehe die Politiker nicht. Unsere Gesellschaft fuße doch auf drei Stämmen: der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Gewaltfreiheit? Die Politiker jedoch diskutierten in Begriffen, die sich weit von diesen Grundbegriffen entfernt zu haben schienen – Lenz...
Das große Übel unserer Zeit sind sich radikalisierende religiöse Fanatiker aller Konfessionen. Da könnte ich jetzt einige Namen nennen, mach ich aber nicht, sonst werd ich ja gleich wieder verklagt, also versuche ich es mal anders: Der ideale Staat kennt eine strikte Trennung von Staat und Religion. Keine Religion wird einer anderen Religion über- oder...
Offenbar ist es so gut wie aussichtslos, Michael Wächter in einer Denkpause zu erwischen. Der Mann, seit Herbst 2015 Ensemblemitglied am Theater Basel, weiß einfach auf alles eine Antwort, zumindest einem dahergelaufenen Journalisten gegenüber. Das Angenehme daran ist, dass diese Antworten aus lauter sonnenklaren Sätzen bestehen, aus wachen Bemerkungen, spontanen...
