Enis Maci; Foto: Sabrina Richmann
Der Urfarn mit all seinen Konsequenzen
EINS was die nicht verstehen
und in dieser sache unsren eltern
ähneln
ist der unterschied zwischen ihnen
die von irgendwo gekommen sind
und uns
die von nirgends anders her kommen
VIER es liegt
auf der hand
es ist so klar
dass wir bloß gerade so
sehr knapp
an diesen ort gehören
EINS dass wir bis ans ende unsere dielen
ölen können
und trotzdem teppichbodenbabys
bleiben
Aus den Teppichbodenbabys von einst sind junge Menschen geworden, vier gute Freundinnen und Freunde, die zusammen rumhängen, quatschen, trinken. Wir treffen die Figuren zu einem Zeitpunkt, da ihr Reden womöglich schon sehr lange andauert oder gerade wieder aufs Neue einsetzt, springen in die Mitte ihrer engen Freundschaftsbande, die typischerweise einen gleichzeitig zärtlichen und brutalen Umgang miteinander erlauben. Die vier Sprecher*innen erzählen einander alte Geschichten, die das wohlige Gefühl ihrer vertrauten Gemeinschaft evozieren. Im Mittelpunkt steht der gemeinsame Ort, an den ihre Eltern alle auf unterschiedlichen Wegen gekommen sind und den diese jungen Menschen in ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 171
von Katja Herlemann
Armin Stummer hat ein Problem. Er scheint terroristische Anschläge regelrecht anzuziehen. Oder auszulösen. Oder ist alles nur ein perfider Zufall? So genau weiß er das selber nicht. Jedenfalls war er im November 2015 in Paris, hat für eine Veranstaltung die Technik aufgebaut, dann in einer Bar ein paar Bier getrunken, als die ersten Schüsse fielen. Geschockt von...
Es reden: ein Kabinettsleiter, eine Forscherin, ein Soldat, alle noch relativ jung. Die Menschen, mit denen die drei Figuren aus Alexandra Badeas neuem Stück «Extremophil» in Dialog treten, sind sie selber: Sie sagen Du zu sich. Vielleicht, weil von sich zu sprechen voraussetzen würde, dass sie eins wären mit sich (was sie definitiv nicht sind). Vielleicht, weil...
In Hans-Christian Andersens Märchen «Der Schatten» geht dieser seinem Herrn verloren und macht sich selbständig. Zu Beginn heiter skurril, endet die Geschichte denkbar düster. Der Doppelgänger gewinnt an Realität und Macht und wird zum Mörder seines ehemaligen Herrn. Ein Alptraum nach Kafkas Art. Der Verlust der eigenen Identität, Entfremdung, kollektive...
