Enis Maci; Foto: Sabrina Richmann

Der Urfarn mit all seinen Konsequenzen

Enis Maci: «Lebendfallen»

Theater heute - Logo

EINS    was die nicht verstehen
           und in dieser sache unsren eltern
           ähneln
           ist der unterschied zwischen ihnen
           die von irgendwo gekommen sind
           und uns
           die von nirgends anders her kommen
VIER    es liegt

auf der hand
           es ist so klar
           dass wir bloß gerade so
           sehr knapp
           an diesen ort gehören
EINS    dass wir bis ans ende unsere dielen
           ölen können 
           und trotzdem teppichbodenbabys
           bleiben

Aus den Teppichbodenbabys von einst sind junge Menschen geworden, vier gute Freundinnen und Freunde, die zusammen rumhängen, quatschen, trinken. Wir treffen die Figuren zu einem Zeitpunkt, da ihr Reden womöglich schon sehr lange andauert oder gerade wieder aufs Neue einsetzt, springen in die Mitte ihrer engen Freundschaftsbande, die typischerweise einen gleichzeitig zärtlichen und brutalen Umgang miteinander erlauben. Die vier Sprecher*innen erzählen einander alte Geschichten, die das wohlige Gefühl ihrer vertrauten Gemeinschaft evozieren. Im Mittelpunkt steht der gemeinsame Ort, an den ihre Eltern alle auf unterschiedlichen Wegen gekommen sind und den diese jungen Menschen in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 171
von Katja Herlemann

Weitere Beiträge
Geradliniges Denken

Kleine Stadt. Parkcenter, Auto, Parkplatz vor einem Lagerhaus, Gartenlaube. Spätsommer. Zwei Frührentner auf der Bank, Kaffee trinkend: Kathrin Wichert, noch, aber unglücklich verheiratet, Jürgen Raser, Hobbyphilosoph, Kapitalismuskritiker und verwitwet.»

Das ist das Setting für «Bambule im Herbst» von Dirk Laucke, der an seiner Chronik über das Leben der...

Falk Richter: Ein Teil einer Insel

Das große Übel unserer Zeit sind sich radikalisierende religiöse Fanatiker aller Konfessionen. Da könnte ich jetzt einige Namen nennen, mach ich aber nicht, sonst werd ich ja gleich wieder verklagt, also versuche ich es mal anders: Der ideale Staat kennt eine strikte Trennung von Staat und Religion. Keine Religion wird einer anderen Religion über- oder...

Die Schuld der Erinnerung

Während des stalinistischen «Großen Terrors» wurden in der Sowjetunion von 1936 bis ’38 rund 1,5 Millionen Menschen verhaftet – ein Prozent der Bürger. Davon wurden 750.000 erschossen, mit oder ohne Schauprozess, bis zu 200.000 weitere starben in der Lagerhaft. Diese groben, entsetzlichen Fakten sind bekannt. Über die Details gibt es zwar Bibliotheken voller Bücher...