Die Gruppentherapeutin
Bei Shermin Langhoff hängt ein Kunstwerk von Silvina Der-Meguerditchian, auf dem steht «Dert var gelir geçer, dert var deler gider» – es gibt Sorgen, die kommen und gehen, und es gibt Sorgen, die kommen, hinterlassen ein Loch und gehen dann. Diese Löcher untersucht Yael Ronen in ihren Stücken.
Das tut sie wie eine Therapeutin, eine Schamanin, eine Vermittlerin zur Geisterwelt, die spirituelle Fähigkeiten zur Heilung besitzt. Ihre Proben sind Prozesse, in denen sich die Beteiligten ihren Geistern stellen, den Geistern, die besagten Löchern entspringen.
Sie schreckt nicht davor zurück, eigene offene Wunden und die der Schauspieler*innen zu berühren, denn sie weiß, erst die Berührung kann Heilung bewirken.
Die Theaterstücke, die in diesen Prozessen entstehen, werden von Yael Ronen gern als Nebenprodukte bezeichnet. Dies ist nicht kokett, denn meistens sind wir wirklich überrascht, dass zum Premierentermin ein Stück auf der Bühne steht. Denn im Vordergrund steht für Yael Ronen immer der Arbeitsprozess, bei dem alle Beteiligten etwas Neues über sich selbst und die Welt herausfinden sollen. Er soll eine Tür in unserem Leben öffnen, die sich nie wieder schließen lässt.
Das Zuhören ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Stücke des Jahres, Seite 102
von Irina Szodruch
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