Sensibel explizit
Mit der Liebe war es ja noch nie leicht. Und wohl genau deswegen sind über alle Jahrhunderte hinweg zahllose sprachlich komplexe, teils hoch verdichtete Werke entstanden, die das Literaturthema Nummer eins in Worte fassen und um eine Sprache ringen für komplizierte Gefühls -lagen. Vieles, was über die Liebe und deren handfestere Schwester, die Sexualität, gesagt und geschrieben wurde, hat überzeitlich Bestand.
Eifersucht, Wollust, Begehren und noch viel mehr bleiben komplizierte und sprachlich interessant zu verarbeitende Phänomene, denen sich jede Generation aufs Neue stellen muss. Ganz in diesem Sinne setzt die junge deutsch-amerikanische Autorin mit koreanischen Wurzeln, Patty Kim Hamilton, einen zeitgenössischen Akzent mit ihrem «Sex Play». Aber wer jetzt angesichts des Stücktitels pornografische Ergüsse vermutet, liegt falsch. Es wird explizit, aber genauso wird es ausgesprochen differenziert.
«Über Sex zu reden ist nicht mehr revolutionär. Oder?», fragt jemand im Stück. Eben doch! Und das «Sex Play» tritt den Beweis dafür an. Aber vor oder nach dem Reden kommt das Tun, denn Sex ist Kommunikation ohne Worte und muss wie jede Sprache erlernt werden, indem man sie praktisch ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 150
von Karla Mäder
In seiner Geschichte der Zukunft beschreibt der israelische Historiker Yuval Harari, wie der Mensch sich im Zuge der Entwicklung künstlicher Intelligenz und immer komplexerer virtueller Welten zu einem gottähn -lichen Schöpfer entwickeln könnte: zu einem Homo Deus. Es ist offensichtlich: Wir stehen am Ende des analogen Zeitalters. Das Verhältnis von analoger und...
Von Anfang an ist das Scheitern eingeschrieben: «Du wirst es nicht wahrhaben wollen, dass dieser Ort zerstört werden wird / but the cops will come / und werden hier alles verwüsten, alles zertreten, was sie mit ihren Stiefeln und ihren behandschuhten Händen nur werden schrotten können / werden dich mit ihren Räumfahrzeugen und Hebebühnen von den Traversen schneiden...
Fangen wir mit den schwierigen Nachrichten an: 15 Kritiker:innen ist dieses Jahr kein Haus eingefallen, das sie guten Gewissens zum «Theater des Jahres» küren möchten. Ist die Branche erschlagen von pandemiebedingt angestauter Premierenfülle, vielen Ausfällen und Unsicherheiten? Oder ist nach halbwegs überstandenem Corona-Desaster eigentlich jede Bühne ein Sieger?...
