Sensibel explizit
Mit der Liebe war es ja noch nie leicht. Und wohl genau deswegen sind über alle Jahrhunderte hinweg zahllose sprachlich komplexe, teils hoch verdichtete Werke entstanden, die das Literaturthema Nummer eins in Worte fassen und um eine Sprache ringen für komplizierte Gefühls -lagen. Vieles, was über die Liebe und deren handfestere Schwester, die Sexualität, gesagt und geschrieben wurde, hat überzeitlich Bestand.
Eifersucht, Wollust, Begehren und noch viel mehr bleiben komplizierte und sprachlich interessant zu verarbeitende Phänomene, denen sich jede Generation aufs Neue stellen muss. Ganz in diesem Sinne setzt die junge deutsch-amerikanische Autorin mit koreanischen Wurzeln, Patty Kim Hamilton, einen zeitgenössischen Akzent mit ihrem «Sex Play». Aber wer jetzt angesichts des Stücktitels pornografische Ergüsse vermutet, liegt falsch. Es wird explizit, aber genauso wird es ausgesprochen differenziert.
«Über Sex zu reden ist nicht mehr revolutionär. Oder?», fragt jemand im Stück. Eben doch! Und das «Sex Play» tritt den Beweis dafür an. Aber vor oder nach dem Reden kommt das Tun, denn Sex ist Kommunikation ohne Worte und muss wie jede Sprache erlernt werden, indem man sie praktisch ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 150
von Karla Mäder
Ich bemerke, dass sich eine Menge bewegt und verändert in den Theatertankern des deutschen Stadttheaters. Institutionell und künstlerisch.
Themen, die lange keine Rolle spielten, ebenso wie neue, alternative Beschreibungen von Geschichte und Gesellschaftsverhältnissen bestimmen die Spielpläne der Stadttheater genauso wie die Werbeplakate der Industrie. Menschen,...
Wie anfangen? Wie anfangen, wenn die Angst, mit dem ersten Wort nicht gleich das richtige Wort zu finden, das Anfangen schwermacht? Was sagen, jetzt, da man einmal den Raum hat, sprechen zu dürfen und alle Scheinwerfer auf einen gerichtet sind? Wie ein neues Stück eröffnen, wenn man gerade ein äußerst erfolgreiches Debüt vorgelegt hat, das auch noch mit einem der...
Lange hat man am Stadttheater geglaubt, dass man die Spitze der Menschlichkeit verkörpere. Man verstand sich als links, progressiv, gesellschaftskritisch und zeigte von der Bühne aus gerne mit dem Finger Richtung Publikum. Ihr seid zu kapitalistisch, egozentrisch, kümmert euch nicht um Ungerechtigkeit und so weiter. Doch spätestens seit #MeToo rumpelt es auch in...
