Jungs, wir haben ein Problem!

Die Konferenz «Burning Issues» fand dieses Jahr unter dem Motto «Performing Arts and Equity» statt. Sie war divers und aufschlussreich. Nur von den eigentlichen Adressaten fehlte fast jede Spur

Theater heute - Logo

Lange hat man am Stadttheater geglaubt, dass man die Spitze der Menschlichkeit verkörpere. Man verstand sich als links, progressiv, gesellschaftskritisch und zeigte von der Bühne aus gerne mit dem Finger Richtung Publikum. Ihr seid zu kapitalistisch, egozentrisch, kümmert euch nicht um Ungerechtigkeit und so weiter.

Doch spätestens seit #MeToo rumpelt es auch in der hiesigen Theaterlandschaft gewaltig: Mehr als ein:e Intendant:in musste wegen Diskriminierungsvorwürfen oder Machtmissbrauch den Posten räumen oder sich wenigstens erklären, so mancher Regisseur begab sich kleinlaut in einen Critical-Whiteness-Workshop. 

Dann kam die Pandemie und mit ihr ein Innehalten, das nochmal jede Menge Schmutz an die Oberfläche befördert hat. Vor allem junge, weibliche, queere und BIPoC-Schauspieler:innen sind nicht länger gewillt, sich in die hierarchischen Strukturen der Kulturbetriebe einzuordnen. Die neu gegründete Gewaltschutzstelle Themis berät Betroffene, wie sie sich erfolgreich wehren können. Doch das Umdenken hat gerade erst begonnen.

150 Teilnehmer:innen, ein Intendant

Um Themen wie diese geht es bei den «Burning Issues». Einer Konferenz, die sich fragt, wie das Theater ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Transformation, Seite 68
von Anna Fastabend

Weitere Beiträge
Keine Gedichte über Krieg

1

Es gibt keine Gedichte über Krieg. Es gibt nur Zersetzung, heißt es bei der Dichterin Lyuba Yakimchuk. Also zerlegt sie die Wörter: Lu-hansk; Do-nezk; und zum Schluss des Gedichts ihren eigenen Namen: Nicht mehr Lyuba steht dort, sondern nur noch «ba!». Wobei die Formulierung «zerlegt sie» falsch ist, denn die Wörter, die Orte, die Menschen sind bereits zerlegt,...

Ein Mensch kommt rein und macht was kaputt

I wanted a mission and for my sins they gave me one.» Das ist eines der beiden Zitate, die das Autor:innenduo Sokola/Spreter ihrem Stück «Farn Farn Away» vorangestellt hat. Wie Captain Willard aus «Apocalypse Now» haben die beiden Frauen Maura und Ich den Auftrag, sich in eine unwirtliche, nach-katastrophische Urwaldgegend weitab der Zivilisation zu begeben, um...

Die Zukunft von vorne ausdenken

Von Anfang an ist das Scheitern eingeschrieben: «Du wirst es nicht wahrhaben wollen, dass dieser Ort zerstört werden wird / but the cops will come / und werden hier alles verwüsten, alles zertreten, was sie mit ihren Stiefeln und ihren behandschuhten Händen nur werden schrotten können / werden dich mit ihren Räumfahrzeugen und Hebebühnen von den Traversen schneiden...