Sehnsucht nach Autonomie
Es war der Skandal der Autorentheatertage 2018 am ansonsten so gediegenen Deutschen Theater: Sebastian Hartmanns «Uraufführung» von Björn SC Deigners dokumentarisch grundiertem Prostitutionsstück «In Stanniolpapier», bei der das Wort Uraufführung im Programmheft durchgestrichen wurde, die Jury sich offiziell distanzierte und die Presse sich aufspaltete in rabiate Empörung («Inszenierungen von Sebastian Hartmann? In Zukunft ohne mich», «Spiegel Online») und größte Begeisterung über eine Inszenierung, die «den Routinebetrieb Theater aufs Schönste aufwirbelt» («Berliner Zei
tung»).
Was war geschehen? Sebastian Hartmann, durchaus bekannt als textzerlegender Mash-up-Künstler, hatte aus den 16 engbedruckten Seiten des Stücks, das auf langen Gesprächen mit einer Prostituierten vom Berliner Straßenstrich beruht, eine wilde Melange von einzelnen Wörtern, Phrasen und Monologpartien extrahiert. Sie sind kaum mehr als Trigger für ein von aller Scham entfesseltes Spiel, das tief in jene von der Sprache nicht mehr zu erreichenden Schichten des Unterbewusstseins vorzudringen versucht, in denen schweißnasse Körper, Gewalt und Zärtlichkeit, Lust und Abwehr miteinander bis zur Auflösung ringen. Im ...
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Theater heute März 2019
Rubrik: Akteure, Seite 27
von Barbara Burckhardt
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