Schussfahrt in den Missbrauchs-Abgrund
Vollendeten Lektürespaß, gibt der Kölner Intendant Stefan Bachmann in einem Gespräch mit «Deutschlandfunk Kultur» zu Protokoll, hatte er bei «Schnee Weiß (Die Erfindung der alten Leier)» nicht. «Das Lesen von Jelinek-Stücken hat fast was von Folter», gestand er im Vorfeld seiner Ur-Inszenierung der jüngsten Literaturnobelpreisträgerinnen-Textfläche sympathisch freimütig. «Im stillen Kämmerlein», so Bachmann weiter, führten «diese unendlichen Assoziationsketten» bei ihm zu «großer Frustration und veritablen Wutanfällen.
» Im Probenraum, «zusammen mit Schauspielern», werde das «sofort sehr viel lustvoller und sinnlicher».
Sinnlich, im Sinne von bodenständig (und also konsequent), beginnt auch Bachmanns Inszenierung im Kölner Depot 2. Es ist eine treffsichere Ballermann-Stimmung, in die man hier geworfen wird; nur eben – von wegen «Schnee Weiß» – auf österreichisch-winterlich: Halsbrecherisch und in stilechter Skikleidung, die zu vorgerückter Stunde auch mal unansehnlichen Nackt-Fatsuits weicht, werfen sich die Schauspielerinnen und Schauspieler Simon Kirsch, Lola Klamroth, Peter Knaack, Nikolay Sidorenko und Sabine Waibel eingangs von einem Kunst-Schneehang herunter. Jana ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Christine Wahl
Franz Wille «Disko» ist Ihr viertes Stück nach «Und dann» (2013), «Vom Verschwinden vom Vater» (2015) und «Drei sind wir» (2016). Im Gegensatz zu Autor*innen-Kollegen, die zum Teil zwei oder drei Stücke in der Spielzeit verfassen, sind Sie da sehr zurückhaltend. Seit der letzten Uraufführung sind zwei Jahre vergangen. Denken Sie ein, zwei Jahre nach, bevor es an...
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