Bücher: Die Anti-Aristotelikerin
Eine «Kriegsmaschine gegen die Institution Theater», das ist für Florence Dupont die «Poetik» des Aristoteles. Der Philosoph, ein Fremder in Athen, der nie bei den Dionysien dabei war, sauge mit ihr der «lebendige(n) Kunst» und «volkstümliche(n) Praxis» das Blut aus. Denn Theater werde darin auf die «Darstellung einer Geschichte» reduziert, auf die Funktion der «Mimesis».
Dagegen war es, wie zumindest die Theateranthropologie lehrt, ein Ereignis, ein Fest der Eintracht, von Wettkampf, Musik, Chören, der Idee des «Kairos», des günstigen Augenblicks, und des «prepon», des Passenden, nicht ablösbar. Die Spiele waren Teil eines Rituals der Rückkehr der jungen Männer in die Stadt. Ihre Eingliederung ging dabei in einer Art von Karneval einher mit der Alteritätserfahrung der Ausgeschlossenen – der Frauen, Sklaven, Tiere, über die sich die athenischen Bürger erhoben. Von alledem sehe Aristoteles ab, mache aus dem Theater einen objektivierbaren Text, mit desaströsen Folgen.
Nun gehört es zu den Gemeinplätzen der Theaterwissenschaft, dass die Geringschätzung der Aufführung – der «Opsis» – in der «Poetik» eine der Quellen der abendländischen Theaterfeindschaft wie der noch immer ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Nikolaus Müller-Schöll
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