Bücher: Die Anti-Aristotelikerin
Eine «Kriegsmaschine gegen die Institution Theater», das ist für Florence Dupont die «Poetik» des Aristoteles. Der Philosoph, ein Fremder in Athen, der nie bei den Dionysien dabei war, sauge mit ihr der «lebendige(n) Kunst» und «volkstümliche(n) Praxis» das Blut aus. Denn Theater werde darin auf die «Darstellung einer Geschichte» reduziert, auf die Funktion der «Mimesis».
Dagegen war es, wie zumindest die Theateranthropologie lehrt, ein Ereignis, ein Fest der Eintracht, von Wettkampf, Musik, Chören, der Idee des «Kairos», des günstigen Augenblicks, und des «prepon», des Passenden, nicht ablösbar. Die Spiele waren Teil eines Rituals der Rückkehr der jungen Männer in die Stadt. Ihre Eingliederung ging dabei in einer Art von Karneval einher mit der Alteritätserfahrung der Ausgeschlossenen – der Frauen, Sklaven, Tiere, über die sich die athenischen Bürger erhoben. Von alledem sehe Aristoteles ab, mache aus dem Theater einen objektivierbaren Text, mit desaströsen Folgen.
Nun gehört es zu den Gemeinplätzen der Theaterwissenschaft, dass die Geringschätzung der Aufführung – der «Opsis» – in der «Poetik» eine der Quellen der abendländischen Theaterfeindschaft wie der noch immer ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Nikolaus Müller-Schöll
Zu Jahresbeginn fanden in Lenapehoking mal wieder zahlreiche Theaterfestivals statt. Auch «Under the Radar», dessen Symposium diesmal eröffnet wurde mit einer Runde von 70 schweigend im Kreis stehenden Kuratoren aus der ganzen Welt, die bei geschlossenen Augen einer Vertreterin der Lenape, der Urbevölkerung von New York City, andächtig lauschten. Sie erinnerten an...
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Kindsmörderinnen sind kein Mythos. Wer die Nachrichten nach Müttern durchkämmt, die ihre Kinder umgebracht haben, oft gleich nach der Geburt, stößt meist auf sozial oder psychisch prekäre, als Kind selbst vernachlässigte und misshandelte Frauen, häufig allein oder in schwierigen Beziehungen. Was auch immer ihr Motiv sein mag – ökonomische Ausweglosigkeit, Druck der...
