Das große Gestern

Reisen in die Vergangen­heit: An der Berliner Volksbühne zeigt Leander Haußmann «Haußmanns Staatssicherheitstheater», das Deutsche Theater präsentiert Moritz Rinkes «Westend»

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Wenn Ludger Fuchs, der alte Stasi-Mann, mit seinen ergrauten Kumpels von Horch&Guck in der Eckkneipe abhängt, wird nicht nur über die per Einheitsvertrag gekürzte Rente gejammert. Nein, es wird sogar ziemlich philosophisch: «Lieber eine gute Lüge als eine beschissene Wahrheit», meint Ludger, der Lügenartist, denn so eine Lüge sei einfach ehrlicher. Schließlich lüge doch jeder irgendwie – vor seiner Frau, seinem Chef, seinen Freunden.

Das Lob der Lüge hat sogar eindeutig systemstabilisierende Qualitäten: «Es hätte doch alles so schön sein können, und nun kommt da einer mit der Wahrheit angelatscht, die alles durcheinander bringt.»

Bis ein Mensch zu so tiefen Einsichten vordringt, dauert es allerdings oft ein halbes Leben. Worauf «Haußmanns Staatssicherheitstheater» – Buch und Regie: Leander Haußmann – erst einmal einen großen Zeitsprung zurück macht vom Rentnerelend des hauptamtlichen Ex-Spitzels in seine Anfangsjahre, in eine Vorwende-Idylle am Prenzlauer Berg der guten alten Ostberliner DDR mit ihrer Mischung aus Bohème und Staatsmacht in den malerisch verfallenden Gründerzeithäusern zwischen Wisbyer- und Dimitroffstraße. Lothar Holler hat in liebevoller Detailarbeit ein ...

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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 8
von Franz Wille

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