Wind der Wahrheit

München im Herbst: «Die Wildente» von Ibsen am Residenztheater, «Amerika/Der Verschollene» nach Kafka an den Kammerspielen und «Lichtspiel» von Daniel Kehlmann am Volkstheater

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Bei Stücken ist es wie bei Menschen. Manche altern gut. Anderen sieht man an, dass sie aus einer Zeit mit anderen gesellschaftlichen Kämpfen kommen und keinen rechten Grip mehr in der Gegenwart finden – zumindest, wenn man sie so pur und unbehauen im leeren Raum (und später auch in Wind und Regen) stehen lässt wie Regisseur Johannes Holmen Dahl im Münchner Cuvilliéstheater das Familiendrama seines norwegischen Landsmanns Henrik Ibsen «Die Wildente».

Entstanden 1884, kurz nach den großen emanzipatorischen Aufbrüchen mit «Nora.

Ein Puppenheim» (1879) und «Ein Volksfeind» (1882) ist das Stück mit dem Tiersymbol im Titel heute kein Selbstläufer mehr, stellt es doch seine Frauenfiguren wieder wahlweise als tapfere Pragmatikerinnen oder suizidale Teenagerin hinter die detailreich ausgemalten narzisstischen Krisen der Männer zurück. Während die sich ausgiebig rechtfertigen und bemitleiden, managen die Frauen den Alltag und das Geschäftliche, verzeihen und verzehren sich mehr oder weniger stillschweigend bis zur Selbstauslöschung.

Das Unheil angerichtet haben zwei selbstgerechte Silberrücken, beide in denselben unternehmerischen Skandal verstrickt, bei dem illegal Wald abgeholzt wurde und ...

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Theater heute Dezember 2024
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Silvia Stammen

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