Das Leben
Frau Yamamoto, über siebzig Jahre alt, war einmal eine Sägewerksbesitzerin, mit Vornamen heißt sie Sole. Sie hat ihren Sohn, einen begeisterten Kletterer, durch einen Unfall in den Dolomiten verloren. Ihr Mann hat sie verlassen. Er lebe jetzt im Norden, wo immer das sein mag, und er habe noch zwei Töchter bekommen. Frau Yamamoto hat danach viel gearbeitet, jetzt lebt sie alleine, aber sie findet in dem Mietshaus, in dem sie lebt, Freunde. Erik und Nino, ein schwules Paar, und Eriks Nichte Milena.
Erik ist der Ältere, fast fünfzig, er arbeitet in der Robotik, Nino, der deutlich Jüngere, gerade in einem Fahrradladen, und Nino gründet später ein Restaurant, er nennt es «Sole Mio». Milena fragt die beiden, warum sie keine Kinder haben oder wollen. Sie wissen es nicht wirklich. Am Ende des Stückes ist Frau Yamamoto tot, gestorben an einem Gehirntumor. Erik, Nino und Milena sind damit «Freunde zum Abschied» geworden. Nino zieht aus der gemeinsamen Wohnung mit Erik aus und in die leere Wohnung von Frau Yamamoto.
Das ist die eine und zentrale Geschichte mit Figuren und Namen in Dea Lohers erstem großen Stück seit 14 Jahren, daneben treten auf (und wieder ab): eine Frau im Treppenhaus, ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 153
von Michael Börgerding
Der Barbenheimer-Sommer liegt ein Jahr zurück, und die Geschichte um die Entstehung der ersten Atombombe ist dadurch noch sehr präsent (und die filmische Erzählung von Christopher Nolan gleich mit sieben Oscars prämiert worden). Das neue Theaterstück von Stefano Massini setzt geschichtlich etwas früher an und beginnt mit dem Zusammentreffen von vier jungen...
Nice Guy, wenn er so verstrubbelt durch die Wohnung schlurft, Körperspannung wie eine lockere Wäscheleine, Handy am Ohr und offenbar maximal besorgt über den Zustand seines aktuellen Gesprächspartners. Gerade ist er Stefan, später auch Paul, Claudia und gegen Ende, als erzählender Mitspieler, endlich auch Fabian. Hinrichs spielt sie alle – und alle gleich. In René...
Wenn ich mit Kollegen aus der «Kunstblase» in verschiedenen Ländern darüber spreche, wie lange die Emanzipation der Ukrainer vom imperialen Einfluss Russlands dauert, treffe ich seltener auf Ablehnung oder Unverständnis als auf eine unaussprechliche Schwere und Trauer. Eine unsagbare geistige Trägheit. Heißt das, dass man alles neu lernen muss, das Brillenglas...
