Scheitern, klassisch
Dumpf ist das Volk und feierwütig. Dass sich die deutsche Geselligkeit unter Alkoholeinfluss gerne mal in Polonaisen Bahn bricht und dabei «Fiesta Mexicana» grölt, ist allgemein bekannt. Im Unterholz einer Berliner Grünanlage wirkt die Exotisierung der Migration im Deutschen Schlager allerdings besonders grotesk – eine Art Running Gag zwischen religiöser Prozession und militärischem Marsch, der vom Ensemble zwar angemessen lächerlich ausgeführt wird, aber längst nicht mehr lustig ist.
Natürlich interessiert sich das migrationshintergrunddiverse Berliner Gefängnistheater aufBruch in seinem Zugriff auf «Faust», den vielleicht deutschesten aller deutschen Klassiker, vor allem für die Gesellschaft und dafür, was diese «im Innersten zusammenhält». Wie wenig es dabei um individuelle Schicksale oder Perspektiven geht, macht Regisseur Peter Atanassow schon durch die Besetzung klar: Die Rollen des alten weißen Mannes Heinrich Faust und seines teuflischen Side-Kicks Mephisto hat er gleich dreifach besetzt: entindividualisiert, wie in jeder guten Parabel.
Zum vierten Mal bespielt aufBruch nun für einige Sommer-Wochen das Areal hinter dem Kulturbiergarten Jungfernheide, auf dem sich die ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Anja Quickert
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