Der Müll des Jahrhunderts
Dass die Salzburger Festspiele kein ganz gewöhnliches Theaterfestival sind, war selten so deutlich wie in diesem Jahr. Die wichtigste Produktion im Schauspielprogramm, der «Jedermann» auf dem Domplatz, steht seit der Gründung der Festspiele vor mehr als 100 Jahren auf dem Spielplan. Die anachronistische Kuriosität wird inzwischen kaum noch ernsthaft in Frage gestellt, höchstens leise belächelt. Im Grunde ist allen klar, dass die Festspiele ohne «Jedermann» nicht denkbar sind; schon aus wirtschaftlichen Gründen kommt es gar nicht in Frage, ihn abzusetzen.
Mehr als 30.
000 Karten werden für den «Jedermann» jeden Sommer aufgelegt, die Vorstellungen sind Monate im Voraus ausverkauft. Für die Generalprobe gibt es ermäßigte Tickets, die via Internet angeboten werden; der Onlineverkauf dafür begann an einem Julitag um 9.30 Uhr morgens, um 9.31 Uhr rauchten die Server, und die Karten waren weg. Der «Jedermann» spielt so viel ein, dass damit das gesamte Schauspielprogramm der Festspiele finanziert wird und sogar noch etwas übrigbleibt, das in die Finanzierung der teuren Musiktheaterproduktion fließt. Für die Festspiele ist der «Jedermann» also mehr als Tradition und Folklore: Er ist auch als ...
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Theater heute Oktober 2024
Rubrik: Festivals, Seite 26
von Wolfgang Kralicek
Die Literatur weiß mehr. Mehr als die Journalisten, die politischen Beobachter, die Parteienvertreter, die Wahlforscher. Aus dem Theaterstück «Die Villa» von Tankred Dorst, uraufgeführt 1980, ist mehr über den Erfolg der AfD in Sonneberg, wo im Juni 2023 erstmals ein Kandidat der Rechtspopulisten zum Landrat gewählt wurde, zu erfahren und zu erschließen als aus den...
Macht ja nichts, wenn es dir gefallen hat.» Alt-Punk Schorsch Kamerun beendet jovial sein zweites Gespräch der Reihe «Bevor wir kippen». Gerade hatte ein zugezogener Weimaraner ihm sein Bild von der Stadt präsentiert, ein Bild von bürgerlichen Flaneuren, steigenden Mieten und rechten Gesellen. Es ist Dienstag vor der Wahl, welche die AfD zur stärksten Kraft im...
Wie das Innere eines Gurkenglases schimmern die Bühnenwände: trübe, grün, irgendwie geheimnisvoll. Doch natürlich nur, wenn Licht auf sie fällt. Normalerweise steht das saure Gemüse in Reihen in dunklen Kellerregalen. Und so stehen auch die fünf Schauspieler als abstrakte Einlegeware in beige-braunen Jumpsuits (Bühne und Kostüme Heike Mondschein) nebeneinander...
