Ritter spielen

Luk Perceval bringt Shakespeares «Macbeth» zur Ruhrtriennale, Antú Romero Nunes Tankred Dorsts «Merlin» nach Hamburg

Theater heute - Logo

Vielleicht sollte man Macbeth einmal zur Abwechslung als frühen Kulturkritiker verstehen. Jedenfalls befindet er sich im dritten Akt, vierte Szene, an einem ungewöhnlichen Punkt der Erkenntnis. Er hat an dieser Stelle des Dramas bereits König Duncan und dessen Diener erstochen, um sich selbst die Krone aufzusetzen, dann den Freund Banquo ermorden lassen, andere werden folgen. Da erinnert er sich plötzlich ganz hellsichtig an die guten alten Zeiten, bevor «das menschliche Gesetz die Menschenordnung sauber hielt».

Blut sei schließlich schon immer vergossen worden, aber früher war alles einfacher. «Das war die Zeit, als einer starb, wenn ihm / der Schädel eingeschlagen wurde, und Schluss», lamentiert Macbeth in der trocken-genauen Übersetzung von Thomas Brasch. Dagegen heute: Probleme, wo man hinschaut, hinhaut – «doch heutzutage stehn sie wieder auf, mit 20 Löchern, tödlich, mörderisch im Kopf und stoßen uns vom Stuhl. Das ist viel schlimmer als jeder Mord.»

Solche Gedanken fallen über den bröckelnden Fliesen der guten alten Maschinenhalle Zweckel in Gladbeck auf sinnreichen Boden beim Festival Ruhrtriennale. Was mögen das noch für ruhmreiche Ruhrzeiten gewesen sein, als in ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2011
Rubrik: Aufführungen, Seite 22
von Franz Wille

Weitere Beiträge
Aufführungen, Neue Stücke

Aufführungen

Mit einem selbstbewussten Schau­spielertheatersalut eröffnet Martin Kusej seine Intendanz am Münchner Residenztheater: Arthur Schnitzlers «Das weite Land» wurde vor ziemlich genau 100 Jahren ebendort und gleichzeitig an acht anderen Theatern uraufgeführt. Schlag auf Schlag geht es weiter u.a. mit Inszenierungen von Frank Castorf (Horváths «Kasimir und...

Wir Glückspilze

In der belgischen Region Flandern leben gut sechs Millionen Menschen. Zählt man die Flamen in der Hauptstadt Brüssel dazu, kommt man auf eine Zahl, die in etwa der Bevölkerung Hessens und Bremens zusammen entspricht. Die flämische Gemeinschaft – also der Teil des belgischen Staates, der für die Kultur der niederländisch sprechenden Bevölkerung zuständig ist –...

Heiße Eisen, schale Gefühle

«Unsere Generation glaubt einfach nicht mehr, dass wir alle so verschieden sind, weil wir verschiedene Religionen, verschiedene Werte, verschiedene Kulturen und Nationa­litäten haben. Wir wissen, dass wir alle dasselbe wollen (…) und dieselbe Sprache sprechen: Facebook!», verkündet die Deutsch-Iranerin Maryam Zaree am Ende von «The Day Before the Last Day». Na...