Reality under Construction

Susanne Kennedy loopt Tschechows «Drei Schwestern» an den Münchner Kammerspielen

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In einem Fotointerview nach ihrer Idealvorstellung vom Gesicht eines Theaterzuschauers gefragt, antwortete Susanne Kennedy kürzlich mit geschlossenen Augen und einem Ausdruck entrückt-entzückter Trance.

Überraschend, aber auch wieder bezeichnend, arbeitet Kennedy in letzter Zeit doch irgendwie zweigleisig: an hochartifiziell konstruierten multimedialen Bildwelten mit Voiceover und Ganzkopfmasken für die Darsteller sowie daran anschließend an Erfahrungsräumen, die schon mal – eher ungewohnt fürs rational-aufgeklärte Theaterkunstklientel – schamanisch-spirituelle Kontexte mit anspielen. 

Wenn dieser Spagat in der immersiven Installation «Coming Society» an der Berliner Volksbühne die meisten Besucher wohl nicht ganz überzeugen konnte, so gelang ihr jetzt an den Münchner Kammerspielen mit der motivischen Ankoppelung an Tschechows kanonisches Fernwehdrama «Drei Schwestern» ein fulminanter Brückenschlag. In einer durchaus traditionellen Bühne-Zuschauer-Konstellation zwischen hippen Virtual-Reality-Settings, Tableaux vivants mit Comic-haften Szenensprüngen und suggestiven Déjà-vus stellen sich philosophisch-theaterhistorische Fragen. Es geht sowohl um die Zukunftsvisionen des letzten ...

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Theater heute Juni 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 10
von Silvia Stammen

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