Ok, Boomer!

Simon Stephens «Ein dunkles, dunkles, dunkles Blau»

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Wenn du mit mir reden könntest, was würdest du sagen?», fragt Nicola ihren Freund Christof zu Beginn des Stücks. Christof ist Anfang Zwanzig, an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und liegt im Sterben. Ein letztes Mal möchte Nicola mit ihm einen Tag verbringen – so wie früher, als er noch gesund war. Sie nimmt ihn mit auf eine imaginäre Reise an jene Orte, die ihnen etwas bedeutet haben: das Café, in dem sie sich kennenlernten, ihre alte Schule, das Schwimmbad, der Fernsehturm. Noch einmal tanzen und miteinander schlafen.

Die Intensität ihrer Erlebnisse feiert ihre tiefe Verbundenheit voller Lebensfreude. Glücklich, den Planeten endlich zu verlassen, verabschiedet sich Christof schließlich mit sarkastischem Humor, denn «die ganze Welt wird brennen. Ich bin froh, dass ich hier rauskomme, ehe ich mir den Scheiß anschauen muss.»

In dieser Reise durch die Stadt begegnen wir Menschen, die Christof nahestehen. Da ist Walter, Christofs Vater, der den Unfalltod seiner Frau nicht verwunden hat und den Anblick seines sterbenden Sohns nicht erträgt. Der in Schwermut versinkt und sich in seine Arbeit als Automobilverkäufer flüchtet. Und Christofs Onkel Matheus, der wegen Besitzes von ...

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Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 161
von Ingoh Brux

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