Ok, Boomer!
Wenn du mit mir reden könntest, was würdest du sagen?», fragt Nicola ihren Freund Christof zu Beginn des Stücks. Christof ist Anfang Zwanzig, an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt und liegt im Sterben. Ein letztes Mal möchte Nicola mit ihm einen Tag verbringen – so wie früher, als er noch gesund war. Sie nimmt ihn mit auf eine imaginäre Reise an jene Orte, die ihnen etwas bedeutet haben: das Café, in dem sie sich kennenlernten, ihre alte Schule, das Schwimmbad, der Fernsehturm. Noch einmal tanzen und miteinander schlafen.
Die Intensität ihrer Erlebnisse feiert ihre tiefe Verbundenheit voller Lebensfreude. Glücklich, den Planeten endlich zu verlassen, verabschiedet sich Christof schließlich mit sarkastischem Humor, denn «die ganze Welt wird brennen. Ich bin froh, dass ich hier rauskomme, ehe ich mir den Scheiß anschauen muss.»
In dieser Reise durch die Stadt begegnen wir Menschen, die Christof nahestehen. Da ist Walter, Christofs Vater, der den Unfalltod seiner Frau nicht verwunden hat und den Anblick seines sterbenden Sohns nicht erträgt. Der in Schwermut versinkt und sich in seine Arbeit als Automobilverkäufer flüchtet. Und Christofs Onkel Matheus, der wegen Besitzes von ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2023
Rubrik: Neue Stücke, Seite 161
von Ingoh Brux
In ihrem berühmten Essay «Anmerkungen zu Camp» schreibt Susan Sontag 1964, dass die wesentlichen Merkmale von «Camp» die Liebe zur Künstlichkeit, zum Artifiziellen und zur Übertreibung sind. «Camp» ist für Susan Sontag das Gefühl für eine bestimmte Ästhetik, etwas, das mit «kitschig» oder «affektiert» nur unzureichend zu übersetzen ist. Für Sontag ist «Camp» der...
Gleich zu Beginn des Jahrtausends hat BP folgende rhetorische Frage mit 250 Millionen Werbeetat ins Rennen geschickt: Sollten wir nicht alle individuell was ändern müssen? Wir, die Konsum-Mäuse, anstelle der großen Player. Ab 2001 jedenfalls konnte maus auf der BP-Website nachrechnen, was für einen Fußabdruck sie täglich hinterließ. So ein Käse! Die großen...
Was für ein wirklich eigenartiger Beruf ist das überhaupt: Theaterleitung? Er steckt voller kaum aufzulösender Widersprüche und ist mit einer Reihe von Zuschreibungen belastet: sehr hohen bis überhöhten Erwartungen, aber auch harter Kritik bis hin zu direkter Ablehnung. Natürlich sind Theaterleitungsprobleme nicht abgekoppelt von der Art des Betriebs und dessen...
