Nürnberg: Allens morsch!
«Horchen Se, wie det knackt, wie Putz hinter de Tapete runterjeschoddert kommt! Allens is hier morsch! Allens faulet Holz! Allens unterminiert, von Unjeziefer, von Ratten und Mäuse zerfressen! Allens schwankt! Allens kann jeden Oochenblick bis in Keller durchbrechen.» Was Gerhart Hauptmann in seinen «Ratten» (1911) beschreibt, ist nicht nur der Zustand eines baufälligen Berliner Mietshauses, es ist auch die Gesellschaft, die er meint. Von wegen blühende Landschaften! Das soziale Elend hat sich breitgemacht und eingenistet, es wuchert und ernährt sich selber.
Die Ruine ist zur Heimstatt einer immer größer werdenden Schicht geworden, die Bewohner selber sind ruinös. Prekariat nennt man das heute, was sich nur wenig von «denen da unten» nach der Jahrhundertwende und vor dem großen Krieg unterscheidet. Es kam dann damals irgendwann ein Führer, der mit einfachen und gegrölten Worten Veränderung versprach; und jetzt ist das nicht viel anders, wenn «Schuldige» an der Misere angeprangert werden, um das Volk ins nationale Wir-Gefühl taumeln zu lassen.
Das wäre drin in Hauptmanns Drama, doch Sascha Hawemann sieht lieber das komisch Klamottige im Stoff als die anrührende Tragik und ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Chronik, Seite 67
von Bernd Noack
Barbara Burckhardt: Shirin Sojitrawalla, Christian Rakow, das erste Jahr in der Theatertreffen-Jury ist überstanden: Haben die Erfahrungen in diesem Jahr Ihren Erwartungen entsprochen, oder hat sich da einiges korrigiert?
Shirin Sojitrawalla: Die Erfahrung ist schon sehr anders als die Erwartung. Ich dachte, man fährt ein Jahr rum, guckt ca. hundert Stücke, und...
Offensichtlich wollte Wolfgang Schneider, Direktor des Instituts für Kulturpolitik der Universität Hildesheim, das richtige Verständnis und die Relevanz der wissenschaftlichen Studie «Das Freie Theater. Die Modernisierung der deutschen Theaterlandschaft (1960-2010)» nicht leichtfertig dem Lektüreprozess überlassen. Henning Fülle «kennt sich allumfassend aus»,...
Im Programmheft zu Michael Thalheimers Hamburger Inszenierung des «Zerbrochnen Krugs» wird er ausführlich zitiert, Kleists Aufsatz «Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden». Tatsächlich zeugen ja in keinem anderen Kleistschen Werk Worte so hemmungslos Worte, aus denen Gedanken werden, oder auch mal: Lügen. Wenn Frau Marthe die Wörter auf den Kopf...
