Die Überbringer der Botschaft
Wer hätte gedacht, dass der Puls der Zeit noch schneller schreibt als Elfriede Jelinek? Ihr Textkonvolut «Wut», angeregt von der Empörung über das Attentat auf «Charlie Hebdo», den Überfall auf den jüdischen Supermarkt in Paris und die folgenden Terroranschläge vom November 2015, stammt noch aus einer Zeit vor der englischen Brexit-Entscheidung, vor der Wahl von Donald Trump und vor Erdogans Umbau der Türkei in einen totalitären Staat.
Das System der liberalen Demokratien, auf das man im Westen dies- und jenseits des Atlantiks immer so stolz war, dass man es schon für das Ende der Geschichte gehalten hat, wird gerade von radikalislamischen, nationalistischen, isolationistischen und anderschauvinistischen Impulsen und Strömungen gründlich zerlegt. Aber auch E. J. fackelt nicht lange und strickt schon an ihrem nächsten Stück über Donald Trump.
Wobei bereits in «Wut» einiges überzeitlich Aktuelle zusammenkommt. Von Dschihadisten-Sprüchen und Gotteskrieger-Predigern bis zum Völkermord in Ruanda und dem Amoklauf des rasenden Herakles reicht das schäumende Panorama. Eingestreut sind auch weniger gewalttätige Wut-Fälle wie Pegida, AfD, Shitstorms, aufrechte nationalistische Europäer ...
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Theater heute Mai 2017
Rubrik: Mühlheimer Theatertage NRW «Stücke», Seite 26
von Franz Wille
Auf der Liste der besten Tschechow-Figuren, die nicht von Tschechow sind, dürfte der Frauenarzt Dr. Benrath ziemlich weit oben rangieren. Gespielt von Felix Klare steht er auf der Bühne, ein schlanker, großer Kerl mit schickem Bärtchen, und fixiert mit entschlossen zusammengekniffenen Augen seine selbstrechtfertigende Argumentationskette: Ja, er sei seiner Frau...
Der hardboiled detective ist per se ein Zwischenweltler: fast auf der Seite des Gesetzes, aber nicht ganz, sonst wäre er Polizist; fast ein Frauenschwarm, würde er den Ladies nicht mit allzu deutlicher Verachtung begegnen; fast ein Held, fast erfolgreich, fast vertrauenswürdig. Damit ist der hartgesottene Privatermittler der Pulpliteratur, des Comics und des Film...
Nun hat der Theatermaler Andreas Kriegenburg sein vorerst letztes Märchen für Frankfurt gefertigt. Hat seine hübschen Schauspieler*innen in pastellfarbene, lichte Kostüme gesteckt und vor eine pittoresk angewitterte Remise gestellt. Man spielt Patrick Marbers «Drei Tage auf dem Land» nach «Ein Monat auf dem Lande» von Turgenjew, etwas Russisches also von heiterer...
