Niemand will es kommen sehen

Tschechow, die Zeitenwende und die Nebelkerzen der Luxus-Demokratie: Karin Henkel inszeniert «Onkel Wanja» in Zürich, Nicolas Stemann «Der Kirschgarten» in München

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Das Schmelzen des Eises lehrt, dass die Zeit unterschiedlich schnell vergehen kann. Lange steht Stéphane Laimés Eiswand, die trotz an ihr befestigtem Kruzifix und Erste-Hilfe-Kasten an die Glasfront eines altrussischen Wintergartens erinnert, kaum verändert auf der Zürcher Pfauenbühne. Möglich, dass das ein oder andere Eisquadrat transparenter wird oder das zentimetertiefe schwarze Tauwasser, in dem die Bewohner des Woinizkischen Landguts stehen, ein paar Millimeter tiefer – im großen Ganzen tut sich aber wenig.

Erst kurz vor dem Ende von Karin Henkels Zürcher «Onkel Wanja»-Inszenierung geht es auf einmal ganz schnell: Große Platten brechen aus den Rahmen, klatschen auf den Boden, zerbersten in Scherben. Danach ist nichts mehr wie zuvor.
Die Bewohner und Gäste auf dem Familienbesitz der Woinizkis lässt die Eisschmelze durchgehend kalt. «Ich bin jetzt siebenundvierzig. Wenn ich mit sechzig sterbe, habe ich noch drei­zehn Jahre. Was soll ich denn machen in dieser Zeit?», das ist eindeutig die größere Sorge, mit der sich Siggi Schwienteks lebensüberdrüssiger Wanja ans Publikum wendet: Mit stierem Blick, hängenden Schultern, vorgeschobenem Becken, die Wodkapulle in der Hand, steht er ...

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Theater heute März 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Eva Behrendt

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