Niemand kommt hier lebend raus
So ziemlich alles an der mittelgroßen Provinzstadt ist durchdrungen vom Militär: Die Garnison ist wichtig für das städtische Zusammenleben, man trifft kaum jemanden, der sich nicht mit Dienstgrad vorstellt, und wenn einer wie Baron Tusenbach (Matthieu Svetchine) der Armee eher distanziert gegenübersteht, dann macht ihn das zum Außenseiter.
Zwar wird noch marschiert und paradiert, aber das militärische Brimborium ist bereits nur noch Kulisse, eigentlich haben die Soldaten nichts mehr zu tun, es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Garnison abgezogen wird und das Städtchen vollständig in der Bedeutungslosigkeit versinkt. Wenn nicht …
«Was will ich vom Leben?», fragt Oberstleutnant Werschinin (Alexander Swoboda) in Dušan David Parízeks Inszenierung von Anton Tschechows «Drei Schwestern» am Theater Bremen, und Stabskapitän Soljonyi (Martin Baum) antwortet: «Krieg?» Worauf Werschinin sich in eine Selbstbestätigung träumt. «Ja, das würde mir gefallen. Teil der Geschichte sein.» Russland im Jahr 2022.
Parízek inszeniert Tschechow vom Ende her: Das Militär ist dabei, weiterzuziehen, die Schwestern haben sich damit abgefunden, dass sie nicht in ihre Heimat Moskau zurückkehren werden, ...
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Theater heute 10 2022
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Falk Schreiber
Der Drache ist ziemlich schick. Und weiblich: Mit platinblondem Pagenschnitt und schwarzem Hosenanzug könnte er (Vanessa Bärtsch) ohne Weiteres auch Prada tragen. Er schnaubt an der E-Zigarette und muss vom vielen Vapen heftig hüsteln. Vanessa Bärtsch spielt neben der Drächin aus der Chefetage auch Mariechen, die gestiefelte Katerkatze, höchst akrobatisch und eben...
BADEN-BADEN, STAATLICHE KUNSTHALLE
bis 16.10., Nature and State
Unterschiedliche künstlerische Positionen geben Impulse für das Nachdenken über das Verhältnis von Staat und Natur. Performance- und Begleitprogramm im Oktober:
1., Fotzenschleimpower gegen Raubtierkapitalismus
Performance von Mateja Meded
7./8., Hjîrok
Performance von Hani Mojtahedy und Andi...
Das Theater, wie Olivier Py es sieht, ist ein Harlekin. Ewig jung, kokett, unzuverlässig, im buntgescheckten Kleid. Seine große Liebe – es ist schwierig – der erzählende Autor. Es gibt daneben noch weitere On-Off-Beziehungen, zur Poesie, zur Macht, zur katholischen Kirche (wir sind in Frankreich), zur Revolution. Seine Mutter ist die tragische Diva, sein...
