Nichts ist ok!
Die Stimmung bei der Premiere in der Volksbühne war prächtig, und niemand hätte auch nur im Entferntesten gedacht, dass es René Polleschs letzte Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Partner in Crime werden würde. Nennen wir ihn «Fabian Hinrichs» wie auf dem Programmzettel, wo die Figur, die keine Figur ist, und der Schauspieler in eins fallen: ein nicht mehr ganz junger, immer noch diffus studentisch daherkommender WG-Bewohner in seinem leicht verwuschelten Alltag. Im echten Leben ein radi -kaler Künstler, zumindest neulich im Gespräch mit der «Zeit» aus Hamburg.
Da wünscht sich der Schauspieler eine «alltagserschütternde Kraft, und sei es auch nur für 10 Minuten». Da zieht es ihn gut Hölderlin-romantisch «ins Offene, in künstlerische Atmosphären, die riskant sind». Um sich herum sehe er oft nur die «moralischen Botschaften hinter einem Bühnenwerk», ein «wackeres Abklatschen von Programmpunkten». Zu oft erlebe er nur eine «Funktionärskultur, gemacht von Funktionären für Funktionäre».
Grund genug, im Verein mit René Pollesch gut eine Woche vor dessen bestürzendem Tod einmal mehr die Welt auf den Kopf zu stellen, zumindest für knapp 80 Minuten in der Berliner Volksbühne. Der Titel ...
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Theater heute April 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 12
von Franz Wille
Und ich fahre im Zug durch die Alpen. Nebel kriecht durch die Wälder am Hang, der Himmel ist diesig, ich sitze im Ruheabteil. «Perfekt, schönes Tagle», wünscht mir der Schaffner und steckt sein Kontrollgerät wie einen harmlosen Colt an den Gurt. Merci vilmal, denk ich, genieße die Aussicht, dann klapp ich den Laptop auf. Ich reserviere stets extra im Ruheabteil, um...
Liebe. Wer hätte gedacht, dass alles auf dieses Wort hinausläuft? Vieles habe ich mit dem Theater von René Pollesch verbunden: «Postdramatik» und radikale Zeitgenossenschaft, Pop und Politik, Feminismus und Queerness, Witz und Theorie und den frühen Versuch, Autorschaft und Repräsentation im Theater neu zu denken. Aber Liebe? Wurde nicht «bei Banküberfällen» damit...
In der Schlange an der Kasse beim Drogeriemarkt in Gelsenkirchen – Türken, Kurden, Syrer, Iraker, Albaner, Ukrainer, Bulgaren, Rumänen, Tunesier. Alle aus ehemaligen Provinzen oder Vasallenstaaten des Osma -nischen Reichs. Mehr als die Hälfte der Be -wohner Gelsenkirchens kommen daher. Dieses Reich ist mitten unter uns, wir wissen es nur nicht. «Wer nicht von hier...
