Nicht ganz ernst

Jetzt sind auch Brechts Notizbücher faksimiliert und perfekt ediert

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Brechts Notizbuch wird in der nun erschienenen Suhrkamp-Edition auf eine Weise aufbereitet, die keine Wünsche gegenwärtiger Editionsphilologie und -praxis offen lässt: Die einzelnen Seiten der kleinen schwarzen Notizbüchlein, in denen erotische Gedichte, Zoten und erste Überlegungen zum «Fatzer» neben aussagekräftigen To-do-Listen, Adressen und kryptischen Zahlen stehen, werden faksimiliert und auf der gegenüberliegenden Seite transkribiert, stehen auf großen weißen Seiten, die Platz für Anmerkungen unterschiedlichster Art bieten, werden von umfangreichen längeren Kommentaren be

gleitet und stellen in toto eine Variante dessen dar, was – Paradigmen setzend – einst die Frankfurter Ausgabe der Schriften Hölderlins bei Stroemfeld etablierte: eine Veröffentlichung für kommende Generationen, angelegt auf lange Haltbarkeit, ja Dauer. Dies greift ohne Zweifel eine Regung Brechts auf, die sich in der lebenslangen Sammlung seiner Notizen, Entwürfe, Typoskripte und Handschriften niederschlug, in der Vorarbeit auf die eigene Archivierung im Dienste eines langen Nachruhms.

Und doch ist dies eben nur eine der Regungen Brechts, und vielleicht eine, die, alleine für sich, nicht seine stärkste ...

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Theater heute April 2024
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Nikolaus Müller-Schöll

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