Muntere Ritterspiele
Einen grundsympathischen Parzival hat sich Lukas Bärfuss frei nach Wolfram von Eschenbach da ausgedacht: ein ordentlicher Zivilisations-Bildungsweg in zehn Szenen, der vom Kaspar-Hauser-Schicksal des in der Einöde aufgewachsenen Kindes über diverse Rittergroßtaten zur Gralsherrschaft führt, die man gut protestantisch erst durch Verzicht erreicht.
Einer, der die brutale Welt seiner Zeit mit den Augen des Fremden wahrnimmt, ihre Widersprüche so zielsicher erkennt und benennt, wie er allen Feinden durch ihre jeweilige weiche Stelle bohrt.
Dabei gehen eine Menge Ritter kaputt, was Parzival auch schade findet, ihm in der Inszenierung von Lars-Ole Walburg aber niemand übel nehmen dürfte. Denn erstens sind diese mittelalterlichen Kampfmaschinen nur ein Haufen täppischer Gesellen in unvorteilhaften Kettenhemden, angeführt von einem wuchtigen Artus (Aljoscha Stadelmann), der aus Langeweile mit Brotkügelchen wirft und für einen guten Witz seine ganze debile Tafelrunde in den Burggraben werfen würde.
Zweitens ist der Charme von Parzival ziemlich unwiderstehlich. Sandra Hüller ist eine Pippi Langstrumpf des Mittelalters, die mit oder ohne Schwert, in Rüstung oder nackt voll ...
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