Mütterlieben

Sina Ahlers «Milch & Schuld»

Theater heute - Logo

Wenn eine schwanger ist, ist die ganze Mehrheit involviert …», das wird Zartie schlagartig bewusst, als eine einbeinige Taube sie in letzter Sekunde mittels eines Sturzflugs davon abhält, in ein für eine Schwangere natürlich ungenießbares Lachsbrötchen zu beißen. Und schon sind wir mittendrin im Thema.

Was bedeutet Muttersein? Was macht einen Menschen dazu? Wer ist alles involviert, wer wird sich kümmern, und wem «gehört» ein Kind? Welche Erwartungen haben wir an das heranwachsende Kind? Welche möglichen Abweichungen gibt es? Was bedeutet es, in der Schwan -gerschaft zu erfahren, dass das Kind eine Behinderung haben wird?

Dank einer außerordentlich feinen, genauen Sprache, die kein Wort zu viel verliert, gelingt es der jungen Autorin Sina Ahlers, sich mit ihren Figuren dem Thema Leihmutterschaft anzunähern. Zartie ist hier die Frau, die beschlossen hat, ihren Körper für das Geschäft der Leihmutterschaft zu nutzen, die manchmal sehr technisch spricht, ohne dabei je an poetischer Kraft zu verlieren. Dank vieler Wortumstellungen, grammatikalischer Verschiebungen, einer lebendigen Figurensprache, die eine enorme Spielfreude erlaubt, sprechen, denken und schweigen Ahlers Figuren ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Neue Stücke, Seite 142
von Laura Kohlmaier und Patricia Nickel-Dönicke

Weitere Beiträge
Ich will dieses Leben in geil!

Auch wenn das Schiff hart stampft und einen unsicheren Schritt tut, steh ruhig auf Deck.» Ist dies die poetische Definition von Resilienz? Jenem seit der Jahrtausendwende so populär gewordenen Begriff, den der US-amerikanische Psychologe Jack Block in den 1950er Jahren prägte. Zur gleichen Zeit also, in der Ingeborg Bachmann ihr Gedicht «Ausfahrt» schrieb, aus dem...

Mit Kunst überrollen

Vor elf Jahren übernahm Karin Beier ein Theater, das am Boden lag. Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das größte Sprechtheater des Landes, war von Friedrich Schirmer in die künstlerische Irrelevanz gesteuert worden, und nachdem Schirmer 2010 überraschend als Intendant zurückgetreten war, verwaltete eine kollektive Intendanz unter Leitung des Dramaturgen Florian...

Unsichtbarkeit und Superpower

Um sich eine Menge Ärgernisse zu ersparen, nutze ich diese Textfläche im schönen Theaterheute-Jahrbuch, um meine Erfahrungen zum Thema schwanger sein als Schauspielerin zu teilen. Denn: Sichtbarkeit ist eine Währung, die höher ist als die nächste NV-Bühne-Gagen-Erhöhung.

«Oh du bist schwanger, das ist aber toll. Herzlichen Glückwunsch! Ohhh, du spielst aber gerade...