Münster: Der Reichsbürger in uns
Die sogenannten Reichsbürger, verrannt in eine abstruse Parallelrealität, die ihre proklamierte Staatenlosigkeit mit Waffengewalt verteidigen, tragen jene Züge von Maßlosigkeit, Narzissmus, Größenwahn, der großen Theaterfiguren innewohnt. Konstantin Küspert und Ko-Autorin Annalena Küspert mussten nicht weit suchen, um Stoff für ihre Auftragsarbeit zu generieren: Rund zwei Wochen vor der Uraufführung «Der Reichsbürger» flog in der liberalen Studentenstadt Münster, quasi vor den Toren des Theaters, wieder einer auf, mit 93 Schusswaffen und rund 200 Kilo Munition. Rund 15.
000 Reichsbürger soll es in Deutschland geben, Tendenz kräftig steigend in blühenden Zeiten der Verschwörungstheorie, die glauben, dass die deutsche Besatzung nie beendet worden ist, somit das Grundgesetz für sie nicht gelte und sie die Exekutive selbst in die bewaffnete Hand nehmen können. Schlagartig bekannt wurde die Bewegung 2016, als ein «Reichsbürger» in Bayern einen Polizisten durch seine Haustür erschoss.
Der Mann, der die Zuschauer im Theater Münster empfängt, kommt dagegen weit weniger martialisch herüber. Wilhelm Schlotterer trägt Glatze, blaues Sakko und verwegen-sympathischen Ohrring, er bietet in der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2018
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Dorothea Marcus
Eine Journalistin recherchiert in Südamerika und ist der Ansicht, sich auf der politisch richtigen Seite zu bewegen. Schließlich, so ihre Selbsteinschätzung, macht sie alles besser als die Mutter, die wohl dunklen Geschäften auf jenem Kontinent nachgeht, von dem die europäischen Kolonisatoren glaubten, es sei Indien. Die Tochter arbeitet an einer TV-Doku in einem...
Wenn man so will, dann war das Programm des diesjährigen Heidelberger Stückemarktes ein verblüffendes und doch auch wieder verzerrendes Spiegelbild der Realität der kleinen Stadt am Neckar. Wer, wenn nicht Asiaten und Amerikaner macht das Gros der Touristen aus, die sich tagsüber und bis in die späten Abendstunden hinein durch die verwinkelten engen Gassen...
Der deutsche Mann? «Fürs Bedienen zu groß, fürs Herrschen zu klein»: So fasst Bartos (Samuel Finzi), der frischeingestellte «Sklave» im Haushalt des Schönheitschirurgen Claus Müller-Todt, das Mittelmaß seines Arbeitgebers zusammen. Der verfügt in Gestalt von Oliver Masucci zwar über einen markanten Cäsarenschädel, ein dickes Auto, eine schicke modernistische...
