Mülheim: Verschworene Gemeinschaft
Roberto Ciulli «Clowns unter Tage» Vögel zwitschern, Mücken sirren: Über der Erde ist die Natur noch intakt in den Ruhrgebiets-Auen. Mit Stühlen und Sonnenschirmen kommen nach und nach die weißgeschminkten Gestalten als elegante Sommerfrischler herein, auf dem Weg zur trügerischen Sonntagsfeier von Wollust und Faulheit. Albert Bork als Bobo liegt in der Sonne und holt sich in der Hose einen runter, bis die Insekten zu sehr stören.
Steffen Reuber steckt als Islamist mit Zottelbart genüsslich Zehenspitzen ins unsichtbare Wasser, Dagmar Geppert und Klaus Herzog rauchen genießerisch als elegant alterndes Paar, mit Spitze, Monokel und Glitzerkette ganz manierierte Stilsicherheit.
Eine Art zweites Ensemble sind die «Clowns» in Roberto Ciullis Theater geworden, gewissermaßen Parallelfiguren der dem Theater teilweise seit Jahrzehnten verbundenen Kernschauspieler. 1980 wurde das kleine Theater an der Ruhr bekanntlich gegründet, als reisende, maximal flexible Antithese zu bundesdeutschen Stadttheaterbunkern. Mit «Clowns unter Tage» hat Ciulli bereits die dritte Inszenierung mit den gleichen melancholischen, schrulligen und versponnenen Charakteren geschaffen: Petra van der Beek als Bebe ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 52
von Dorothea Marcus
Für die Geschichte der Demokratie in Deutschland ist der 9. November der wohl ambivalenteste Jahrestag: 1918 markiert er das Ende der Novemberrevolution mit der Ausrufung der ersten demokratischen Republik, 1938 den Umschlag der Diskriminierung jüdischen Lebens im Dritten Reich in seine offene Verfolgung und Vernichtung, 1989 den Fall der Berliner Mauer und damit...
Den Anfang macht eine Zirkusnummer: Eine Frau im märchenhaften Kinderkleid wird nur an den Haaren hängend aus der Versenkung in den Bühnenhimmel gezogen, dabei dreht sie sich wie tanzend um sich selbst. Wir sind, so scheint es, in einer Art Kinderbelustigung für Erwachsene. Sechs Gestalten, einheitlich grell geschminkt, kichern und lassen die Zungen kreisen....
Sollte es bislang problematisch gewesen sein, Pubertierende für die antike Familienaufstellung des Tantaliden-Geschlechts zu interessieren, dürfte die mythologische Rap-Oper des Hip-Hop-Trios Dlè weiterhelfen. Wir erinnern uns: Am Anfang steht ein kannibalisches Abendmahl, in dessen Verlauf der Zeus-Sohn Tantalos die Götter in Versuchung führt und ihnen den eigenen...
