Graz: Horror sapiens

Clemens J. Setz «Erinnya» (U)

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Das hatten sich die designierten Schwiegereltern irgendwie anders vorgestellt: Da kommt Tochter Tina nach ewiger Abstinenz endlich wieder mit einem neuen Lebenspartner zu Besuch. Und dann spricht der junge Mann – Matthias – statt gepflegtem Smalltalk sinnfrei-martialisches Satzgut über den Abendbrottisch. «Wenn du einem Vogel-Strauß den Hals durchzippst», gibt er etwa mit abgeklärter Miene zum Besten, wo eigentlich gerade die allgemeine Wiedersehensfreude Thema war, «vielleicht rennt er durch einen feinen Draht. Weißt du ja nicht.

» 

Was wiederum Tinas Eltern nicht wissen – trotz des ominösen Knopfes, den ihr Schwiegersohn in spe im Ohr trägt: Matthias’ Verballeben läuft gewissermaßen im Playback-Modus. Seine Äußerungen werden nicht unmittelbar aus eigener Synapsentätigkeit generiert, sondern von einer künstlichen Intelligenz namens «Erinnya» souffliert. So heißt auch das Stück, das Clemens J. Setz als Auftragswerk fürs Schauspiel Graz geschrieben hat – und dessen Namensverwandtschaft zu den Rachegöttinnen aus der griechi­schen Mythologie selbstredend berechtigt ist. 

Schließlich lässt sich «Erinnya» wie jede KI auch als (naturgemäß nicht wahnsinnig erhebendes) Spiegelmedium des ...

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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 49
von Christine Wahl

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