Lübeck/Stuttgart: Sex, Drogen, Untote
Von allen Schreckgestalten ist der Vampir die explizit queerste: sexuell aktiv, effeminiert, hochsensibel, schillernd zwischen Gefahr und Lust. Der Immobilienmakler (Niko Eleftheriadis) in Sivan Ben Yishais «Die tonight, live forever. Oder: Das Prinzip Nosferatu» ist entsprechend die Schrumpfversion des Vampirs. Er hockt in einem Businesshotel, vertickt Luxusimmobilien an reiche Provinzler, fürchtet das Perspektivgespräch mit seiner Chefin und sehnt sich nach dem schwulen Nachtleben der Großstadt; den Kontakt zur dunklen Seite nimmt er über eine Dating-App auf.
Die Makler-Geschichte ist die erzählerisch ergiebigste von drei ineinander geschobenen Geschichten in «Die tonight, live forever». Immerhin vollzieht sich hier eine halbwegs nachvollziehbare Handlung, die über das Motiv des an der Grenze zur Dunkelheit wandelnden Maklers auch noch einen Bezug zu Bram Stokers «Dracula» aufweist: Der Protagonist geht entgegen jeder Vernunft auf ein Sexangebot ein, landet in den Katakomben von Paris, nimmt Drogen, hat ungeschützten, blutigen Sex und entdeckt irgendwann, dass sein Spiegelbild verschwunden ist. Sex, Drogen, Untote – angesichts dieser inhaltlichen Wucht kommen die beiden anderen ...
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Theater heute Februar 2019
Rubrik: Chronik, Seite 51
von Falk Schreiber
Das Stück «Disko» von Wolfram Höll aus der aktuellen Ausgabe ist im Browser nicht darstellbar. Abonnenten, die das Stück digital lesen möchten, schicken bitte eine E-Mail an: kontakt@der-theaterverlag.de. Wir senden Ihnen das Stück dann als PDF-Dokument zu.
Vollendeten Lektürespaß, gibt der Kölner Intendant Stefan Bachmann in einem Gespräch mit «Deutschlandfunk Kultur» zu Protokoll, hatte er bei «Schnee Weiß (Die Erfindung der alten Leier)» nicht. «Das Lesen von Jelinek-Stücken hat fast was von Folter», gestand er im Vorfeld seiner Ur-Inszenierung der jüngsten Literaturnobelpreisträgerinnen-Textfläche sympathisch...
Aufführungen
«Is einer zäh, muß er gebeitzt werd’n; wennst ein’n Aufgeblasenen erwischst, die sind nur zu vertragen, wenn s’ in a rechte Soß kommen; und Spicken, ordentlich Spicken is bey alle Naturen gut, weil es Alle feiner und milder macht.» Dieser schöne Menschen-Rezeptvorschlag steht in Johann Nepomuk Nestroys «Häuptling Abendwind», eine Komödie aus der...
