Mörderische Gerüchteküche

«Veritas: Eine Hexenjagd» nach «Veritas verhext die Stadt» von Maria Lazar (U) am Nationaltheater Mannheim

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Ping! Eine Nachricht ploppt auf: «Werter Herr Doktor, Sie können ja nicht mal ein Paar Kinderbeine über den Marktplatz laufen sehen, ohne das Ihnen die Augen raushängen.» Das Image von Dr. Grips, eigentlich ein angesehener Arzt, kriegt plötzlich Einschusslöcher. So werden per Messengerdienst heute Fakenews gestreut. Im Roman «Veritas verhext die Stadt» der österreichischen Autorin Maria Lazar (nach ihrer Flucht vor den Nationalsozialisten 1948 im Stockholmer Exil gestorben) werden Gerüchte noch per Brief verbreitet.

Absenderin: eine Person, die sich zwar «Veritas», also Wahrheit nennt, aber eine Kleinstadt mit Lügen, Halbwahrheiten oder eigentlich intimen, nicht für die Öffentlichkeit bestimmten Details überschwemmt.

Das soziale Leben der Stadt wird dadurch bis in die Familien hinein vergiftet und von innen heraus zerstört. So soll das Kind einer Frau die Frucht eines Seitensprungs sein, eine andere soll gar ihr Kind vergiftet haben. Die durch Veritas befeuerte Gerüchteküche entwickelt eine mörderische Eigendynamik, deren Opfer am Ende immer Frauen sind. Ist der Verdacht erst einmal in der Welt, dann klebe er fest «wie Pech», heißt es. Eine Frau trifft vor Schreck der Schlag an ...

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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Chronik, Seite 63
von Verena Großkreutz

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