Experten des Verschwindens
Volksbühnen- und Kinostar Milan Peschel inszeniert seit zwei Jahren eine Trilogie in der Schweriner M*Halle: drei Stücke, immer mit ähnlichem Team auf und hinter der Bühne. Zunächst den Western «Chico Zitrone im Tal der Hoffnung», dann den existen -zialistischen Eastern «Ich werde dich lieben». Und jetzt «Sterni und die Astronauten», ein Science-Fiction-Abenteuer, bei dem es eine «Gruppe selbstloser Enthusiasten» unter Anweisung des (selbst nicht auftretenden) Sterni in den Weltraum zieht.
«Selbstlose Enthusiasten», das sind die Arbeiter:innen im Weinberg der Staatstheaterkultur, und einmal wird das auch direkt angesprochen: Der ominöse Sterni nämlich ist «Pförtner in einer staatlich subventionierten Kulturspelunke», und dass er bei diesem Job Zeit findet, im Keller ein Raumschiff zusammenzuleimen, ist entsprechend auch als Subversion gegen die Routinen im Theateralltag zu verstehen. Sterni also lebt anscheinend im Theater, irgendwo hinter der Bühne (weswegen auch weite Teile des Gezeigten als Live-Video von der Hinterbühne aus eingespielt werden), und werkelt dort erratisch rum. Wobei diese bei Licht betrachtet abstruse Story gar nicht das ist, was wirklich an «Sterni und die ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Chronik, Seite 64
von Falk Schreiber
Einmal im Jahr 1989, als die Mauer offen ist und sich der politische Protest langsam von den Straßen wieder in die Gemeinderäume der Bürgerbewegung verschiebt, heißt es: «Der langweiligste Teil war der bedeutendste einer Revolution. Aufruhr war nur am Anfang wichtig.»
Der Satz ist in mehrerer Hinsicht wahr. Auch in poetologischer. Es ist die große Kunst des Autors...
Die englische Autorin Rebecca Watson beschreibt in ihrem Debütroman «Little Scratch» (2021) einen ganz normalen Tag im Leben einer jungen Frau, die als Redaktionsassistentin bei einer Zeitung arbeitet. Um 7.30 Uhr läutet der Wecker, sie steht auf, putzt sich die Zähne, läuft zum Bahnhof, fährt ins Büro, setzt sich dort an ihren «beschissenen» Schreibtisch, tauscht...
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