Mit Kunst überrollen
Vor elf Jahren übernahm Karin Beier ein Theater, das am Boden lag. Das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, das größte Sprechtheater des Landes, war von Friedrich Schirmer in die künstlerische Irrelevanz gesteuert worden, und nachdem Schirmer 2010 überraschend als Intendant zurückgetreten war, verwaltete eine kollektive Intendanz unter Leitung des Dramaturgen Florian Vogel ein paralysiert wirkendes Theater. Das Haus also war am Ende, die Auslastung betrug nicht einmal 60 Prozent, in der Hamburger Bürgerschaft wurde die Fusionierung mit dem Thalia Theater gefordert.
Und wahlweise als Rettung oder als letztes Aufgebot holte Kultursenatorin Barbara Kisseler die Kölner Intendantin Beier an die Elbe (wobei man fairerweise anmerken muss, dass die ersten Verhandlungen schon unter Kisselers 2011 abgewähltem Amtsvorgänger Reinhard Stuth eingeleitet wurden). Beier hatte mit dem Schauspiel der Domstadt schon einmal ein Krisenhaus zurück in die A-Klasse der deutschsprachigen Bühnen gebracht, womöglich wäre das auch in Hamburg möglich?
Aber was ist das eigentlich für ein Theater, das Deutsche Schauspielhaus? Das Schauspielhaus verzeiht einem nichts. Nicht den kleingeistigen Überlebenskampf des ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2024
Rubrik: Höhepunkte der Spielzeit, Seite 20
von Falk Schreiber
Wien – heute – Zweitausenddreiundzwanzig. Arad Dabiris im Rahmen der Wiener Wortstätten entstandenes Stück kreist um einen konkreten Fall, der grundlegende Fragen aufwirft: Im Mittelpunkt steht ein junger Österreicher iranischer Abstammung, der – und das gehört zu den smarten Setzungen der Konzeption – auf der Bühne nicht selbst das Wort ergreifen kann. Denn er...
Ein nebliger Abend im Advent des Jahres 1938 an der deutschen Küste, nahe einem großen Hafen. Die Angst kommt mit der Kälte des Wassers und der Dunkelheit des Meeres. Unter 10° Celsius entspricht die Chance zur Selbstrettung dem Wert der Wassertemperatur in Minuten, besagt eine Faustregel unter Seeleuten. Verschwindend gering ist die Wahrscheinlichkeit, unter...
Wann haben Sie sich zuletzt so richtig geärgert, und warum? Die Frage trifft. Ich fühle mich ertappt und gehe im Geiste die Situationen durch, in denen ich zur Beute dieses ungeliebten und unattraktiven Gefühls geworden bin, frage mich, ob ich mich zu oft geärgert habe in letzter Zeit, vielleicht auch zu sehr und womöglich aus zu geringem Anlass? Ich frage mich...
