Mit dem Unterleib gedacht
Ein eindeutiger Fehler ist es, im Bett zu fragen, was der Liebhaber denn so denke. Könnte nämlich sein, dass er ehrlich antwortet: «Eigentlich denke ich immer nur an deine Scheide.» Gut, auf empörte Nachfrage, ob das wirklich alles sei, differenziert der Mann (Samuel Weiss), manchmal denke er auch an Augen, Brüste, Schulterblätter, aber eigentlich läuft es doch immer aufs Gleiche raus, er denkt an die Vulva der Geliebten (Saskia Taeger). Woran er nie denkt: an Politik, an Arbeit, an Wirtschaft. Die personifizierte Ambitionslosigkeit.
«Männer Frauen Arbeit» heißt die Auftragsarbeit von Oliver Kluck für das Hamburger Schauspielhaus, das klingt wie «Vater Mutter Kind», und im Grunde trifft diese private Perspektive aufs Wirtschaftsleben den Kern des Stücks. Es geht um die Krise eines ökonomischen Systems, aber diese Krise ist eine Beziehungskrise, und in dem Moment, in dem das System kollabiert, ist es Zeit für eine Familientherapie. Kluck, 1980 an der vorpommerschen Ostseeküste geboren, sieht die DDR zusammenbrechen wie eine Familie, die sich auseinandergelebt hat, aber bevor jemand hier an Politik denkt, denkt er zunächst an Unterleiber. Anders ausgedrückt: Dass der Begriff der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Februar 2013
Rubrik: Chronik: Hamburg, Seite 58
von Falk Schreiber
So kennen die Berliner nach sechs Jahren Gorki Theater ihren nach Stuttgart scheidenden Intendanten Armin Petras, der ja auch noch Fritz Kater heißt: ein und dieselbe Person, auf strikte Trennung bedacht. Regisseur der eine, Autor der andere; Patchworker, Sampler aber alle beide, auf der Suche nach Gesellschaft und dem Wir in Geschichten von Einzelnen, sprunghaft...
Emilia Galotti hat die Normen der bürgerlichen Moral so verinnerlicht, dass sie sich lieber von ihrem Vater erdolchen lässt, als sich den prinzlichen Gefährdungen auszusetzen, für die sie ziemlich anfällig ist. Lieber tot als einem Gefühl nachgeben, das die Familienehre verletzt. Eine Aufforderung zum Ehren(selbst)mord – wo gibt’s denn so was heute noch jenseits...
Aalen, Theater der Stadt
9. nach Renard, Muttersohn/Poil de carotte (U)
R. Katharina Kreuzhage
Altenburg/Gera, TPT
1. nach Kesselring, Arsen und Spitzenhäubchen
R. Tim Heilmann
15. Rame/Fo, Bezahlt wird nicht
R. Bernhard Stengele
16. Waechter, Die Eisprinzessin
R. Sabine Schramm
Anklam, Landesbühne
22. Dürrenmatt, Die Physiker
R. Wolfram Scheller
Augsburg, SEnsemble Theater
9....
