Fragen der Chemie
Nach einer Phase des ehrenwerten Vor-sich-Hindümpelns hat das National Theatre im Moment eine Reihe von Stücken auf seinen Bühnen, die Zug in die Londoner Theaterlandschaft bringen. Schon Wochen vor der Premiere ausverkauft war Simon Stephens’ Bühnenversion von Mark Haddons britischem Bestseller-Roman «The Curious Incident of the Dog in the Night-Time», den wahrscheinlich jeder Bürger im gesamten Königreich mehrmals gelesen hat.
Haddon erzählt aus der äußerst speziellen Perspektive des 15-jährigen Mathe-Genies Christopher, der eines Nachts seinen Nachbarhund Wellington im Garten findet, erstochen mit einer Mistgabel. Christophers Asperger-Syndrom macht seine Suche nach dem Mörder zu einem unendlich anstrengenden Unterfangen. Aber was er sich vornimmt, zieht er durch, egal, wie viel es ihn und seine Umwelt kostet. Der Roman ist bestimmt von Christophers absolutem Unverständnis vieler Dinge, die ihm widerfahren, und durch den Ich-Erzähler erlebt der Leser ungefiltert eine sehr anders strukturierte Realität, in der Primzahlen beruhigend, Berührung und die Farben Gelb und Braun unerträglich sind. Gleichzeitig muss man aber auch viele Leerstellen füllen, um zu verstehen, was ...
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Theater heute Februar 2013
Rubrik: Ausland, Seite 45
von Patricia Benecke
Mut ist ein großes Wort. Aber wenn einer fragt, wovon denn der Teamgeist des neuen Schauspiels am Theater Basel bestimmt sein könnte, dann hätten wir wenige Monate nach dem Saisonstart des Leitungstrios Martin Wigger, Tomas Schweigen und Simon Solberg eine erste Antwort: Sie wagen was, sie zaudern nicht. Sie gehen aufs Ganze. Und aufs Ganze gehen, heißt auch, das...
Seit Kaiser Franz Josephs Zeiten (bis zur Ära des János Kádár) haben Politiker entschieden, wer Intendant des Nationaltheaters wird. Ich verstehe nicht, wieso sie jetzt unbedingt diese Wettbewerbsfarce brauchen», bemerkte Mari Törocsik, eine der bekanntesten ungarischen Schauspielerinnen und Mitglied im so genannten «professionellen Komitee», das über die neue...
"Verrücktes Blut» ist schuld. Mit dieser Produktion setzte das Berliner Ballhaus Naunynstraße vor zwei Jahren den Begriff «postmigrantisches Theater» auf die Agenda – Migrationsprozesse sind demnach in Deutschland abgeschlossen, bleiben aber dennoch in der Lebensrealität der Zuwanderer spürbar. Das Theater soll diese Realität sowohl inhaltlich wie ästhetisch...
