Foto: picture alliance / dpa
Milo Rau: Die Menschheit ist eine Schicksalsgemeinschaft
Vor ein paar Tagen saß ich mit der Politikwissenschaftlerin Chantal Mouffe zusammen, um über die «General Assembly» zu sprechen, die wir im November in Berlin veranstalten: den Entwurf eines Weltparlaments, das drei Tage dauern wird, mit 60 Abgeordneten aus der ganzen Welt, einem Ältesten- und einem Expertenrat, zu dem auch Chantal gehören wird. Dieser Rat wird am Ende der drei Tage eine «Charta fürs 21. Jahrhundert» verfassen.
Eine Methodologie für ein Parlament, das – wie einst in der französischen Revolution die «Assemblée Générale Constituante« – nicht die partikularen Interessen einer durch historische Zufälle zu Privilegien gekommenen Gruppe, sondern der ganzen Gesellschaft vertritt: des globalen «Dritten Standes». Die «General Assembly» wird also kein lokales wie das deutsche oder auf einen einheitlichen Wirtschaftsraum zugeschnittenes Parlament wie das EU-Parlament sein, sondern ein Weltparlament.
Der strukturelle Widerspruch zur Zeit der Französischen Revolution bestand zwischen der gesellschaftlichen und politischen Realität einer Ständegesellschaft und einem national, in Ansätzen bereits international orientierten Merkantilismus – der natürlich weder Stände noch Völker ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Der ideale Staat, Seite 8
von Milo Rau
Es reden: ein Kabinettsleiter, eine Forscherin, ein Soldat, alle noch relativ jung. Die Menschen, mit denen die drei Figuren aus Alexandra Badeas neuem Stück «Extremophil» in Dialog treten, sind sie selber: Sie sagen Du zu sich. Vielleicht, weil von sich zu sprechen voraussetzen würde, dass sie eins wären mit sich (was sie definitiv nicht sind). Vielleicht, weil...
Wenn Sie jemandem die Geschichte Ihres Lebens erzählen wollten, welche Szenen würden Sie auswählen? Und in welcher Reihenfolge würden Sie sie erzählen? Wann gilt ein Leben als gelungen, wann als gescheitert?
Tracy Letts, der US-amerikanische Schauspieler, Regisseur und Dramatiker, hat anlässlich des Todes seiner Mutter einen filigranen Text geschrieben – der...
Gibt es das eigentlich: ein zugewandtes Wegschauen? Also so einen Moment, in dem sich der Kopf wegdreht und die Augen das Fenster an der Seite fixieren. Der Blick ist entrückt, wie man so sagt. Aber der Kopf ist weiter ganz da.
Sina Martens spricht und denkt und schaut, als suche sie dort draußen hinter dem Fenster nach einer höheren Genauigkeit, nach einer...
