Alexandra Badea; Foto: L'Arche Editeur
Erfolg im feindlichen System
Es reden: ein Kabinettsleiter, eine Forscherin, ein Soldat, alle noch relativ jung. Die Menschen, mit denen die drei Figuren aus Alexandra Badeas neuem Stück «Extremophil» in Dialog treten, sind sie selber: Sie sagen Du zu sich. Vielleicht, weil von sich zu sprechen voraussetzen würde, dass sie eins wären mit sich (was sie definitiv nicht sind). Vielleicht, weil sie durch diesen Sprach-Trick zu ihrem Dasein auf Abstand gehen können, ohne dass es gleich wirkt wie eine Selbstanklage.
Vielleicht, weil ihr Verhältnis zu sich ein nachgerade lyrisches ist, ein Reden wie in Strophen. Diese klingen zuweilen wie melancholische, feierliche Abgesänge auf das Allerwelts-Projekt vom geglückten Leben, angewandt auf dasjenige Individuum, das die Sprecher vor Augen haben: das zum Du gewordene Ich.
Bei Marguerite Duras findet man einen ähnlichen Duktus mit dem Unterschied, dass – in «Die Krankheit Tod» zum Beispiel – das Wesen, das man vielleicht selber ist, mit Sie angesprochen wird, in der sogenannten Höflichkeitsform. Vergleichbar ist auch die schnörkellose, beherrschte Sprache, welche Gefühle überwindet, indem sie Begebenheiten beschreibt. Man hält Abstand von sich selbst, um damit auch den ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 158
von Roland Koberg
Erinnern Sie sich noch an die Bundesrepublik? In Bonn lebt man ja quasi in der alten Kulisse dieses untergegangenen Landes, spaziert täglich vorbei an den Baudenkmälern vergangener politischer Macht: Bundeskanzleramt, Villa Hammerschmidt, Langer Eugen. Wie war das eigentlich damals, in der Bonner Republik?
Der Autor Thomas Melle, Jahrgang 1975, ist in Bonn...
Der mitteljunge Mann, der da in gediegenem Ganzkörperbeige unruhig an der Rampe auf und ab schreitet, sieht zwar nicht direkt freundlich aus. Aber mit einem derartigen Frontalangriff auf ihr bis dato grundstabiles Zuschauer-Ego hatte die Parkett-Belegschaft des Wiener Akademietheaters vermutlich nicht gerechnet. Hier hocke ja eine personifizierte «Sackgasse» neben...
Wurde das nicht schon mal probiert? …
Tanz den Kommunismus / Sozialismus / Demokratie / Transformation des Kapitalismus / Kapitalismus ganz abschaffen / Philosophenkönige / Räterepublik / König Artus’ runder Tisch gegen die Barbarei des dunklen Zeitalters/ ...
Oder erst einmal:
Bedingungsloses Grundeinkommen / Arbeitslosigkeit umdefinieren / Wirkliche Gleichstellung...
