Alexandra Badea; Foto: L'Arche Editeur
Erfolg im feindlichen System
Es reden: ein Kabinettsleiter, eine Forscherin, ein Soldat, alle noch relativ jung. Die Menschen, mit denen die drei Figuren aus Alexandra Badeas neuem Stück «Extremophil» in Dialog treten, sind sie selber: Sie sagen Du zu sich. Vielleicht, weil von sich zu sprechen voraussetzen würde, dass sie eins wären mit sich (was sie definitiv nicht sind). Vielleicht, weil sie durch diesen Sprach-Trick zu ihrem Dasein auf Abstand gehen können, ohne dass es gleich wirkt wie eine Selbstanklage.
Vielleicht, weil ihr Verhältnis zu sich ein nachgerade lyrisches ist, ein Reden wie in Strophen. Diese klingen zuweilen wie melancholische, feierliche Abgesänge auf das Allerwelts-Projekt vom geglückten Leben, angewandt auf dasjenige Individuum, das die Sprecher vor Augen haben: das zum Du gewordene Ich.
Bei Marguerite Duras findet man einen ähnlichen Duktus mit dem Unterschied, dass – in «Die Krankheit Tod» zum Beispiel – das Wesen, das man vielleicht selber ist, mit Sie angesprochen wird, in der sogenannten Höflichkeitsform. Vergleichbar ist auch die schnörkellose, beherrschte Sprache, welche Gefühle überwindet, indem sie Begebenheiten beschreibt. Man hält Abstand von sich selbst, um damit auch den ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 158
von Roland Koberg
Eines unserer abendlichen Bettkantengespräche eröffnete mein zehnjähriger Sohn mit dem Geständnis, er verstehe die Politiker nicht. Unsere Gesellschaft fuße doch auf drei Stämmen: der Freiheit, der Gleichberechtigung und der Gewaltfreiheit? Die Politiker jedoch diskutierten in Begriffen, die sich weit von diesen Grundbegriffen entfernt zu haben schienen – Lenz...
Kleine Stadt. Parkcenter, Auto, Parkplatz vor einem Lagerhaus, Gartenlaube. Spätsommer. Zwei Frührentner auf der Bank, Kaffee trinkend: Kathrin Wichert, noch, aber unglücklich verheiratet, Jürgen Raser, Hobbyphilosoph, Kapitalismuskritiker und verwitwet.»
Das ist das Setting für «Bambule im Herbst» von Dirk Laucke, der an seiner Chronik über das Leben der...
Sie werden erkennen, dass es eine Utopie ist, die Gleichheit der Lebensbedingungen anzustreben,
dass die Gleichheit nur besteht in der Freiheit der Persönlichkeit, und dass
diese Freiheit gerade die Ungleichheit der Individuen in der Gemeinschaft voraussetzt.
«Auf zwei Planeten»/Kurd Laßwitz
Aperitivo
Man kann über den idealen Staat nachsinnen in der sterilen...
