Milch und Blut und Samen
Endlich ist sie vorbei, die Zeit, in der Frauen «schön schöpfend und in der Erschöpfung schön» sein müssen. Martina Clavadetscher, die für ihren Roman «Die Erfindung des Ungehorsams» mit dem Schweizer Buchpreis ausgezeichnet wurde, entwirft in ihrem zweiteiligen Auftragswerk für das Schauspiel Bern «Bestien, wir Bestien» eine Welt in der Zukunft, in der Frauen zuerst vom gesellschaftlichen Reproduktionszwang befreit sind und letztlich die gesamte Menschheit unfruchtbar wird.
Auch hier findet man sich, wie in den meisten Werken der Schweizer Autorin, in einer Science-Fiction-Welt wieder, einer Welt, die gleichsam utopisch wie dystopisch anmutet. Clavadetscher nimmt die philosophische Strömung des Antinatalismus auf und stellt die Frage: Ist es heute, angesichts zahlreicher Kriege und Naturkatastrophen, moralisch vertretbar, Kinder zu zeugen? Ist die Befreiung vom gesellschaftlichen Reproduktionszwang nicht der letzte Akt weiblicher Emanzipation? Oder ist diese Freiheit nur eine vermeintliche, da sich der Wunsch nach Fortpflanzung nicht rational wegargumentieren lässt?
Im ersten Teil des Stückes ist die Natur geheilt, alle Rohstoffe und Ressourcen sind gerecht verteilt, für alles ...
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Theater heute Jahrbuch 2022
Rubrik: Neue Stücke, Seite 147
von Julia Fahle
Wenn das «Das neue Leben» ist? Große weite leere Bühne mit einer Art Schiedsrichterleiter und einem automatischen Klavier, die später von einem martialischen Lichtrührkreisel abgelöst wird? Ein paar demonstrativ verloren wirkende Schauspieler:innen spielen sich schüchtern bis verlegen einen Text zu, der von strikter Liebesverleugnung und Sublimationskunst handelt....
Das ist die Geschichte einer Heimkehr. Wer kennt das nicht, erst einmal sprudeln vor Nostalgie und im zweiten Moment vor der Spießigkeit der unterschiedlichen Rasenmähergeräusche in die Knie gehen. Die Eigenwahrnehmung wird wieder auf Reset gesetzt, zurück in die Kindheit, zurück nach Hause, wo alles beim Alten geblieben ist.
In Fabienne Dürs «Gelbes Gold» kehrt...
Uraufführungen
A
Abdul Abbasi und Philipp Löhle
Bombe! (Deutsches Theater Göttingen)
Johanna Adorján
Ciao (Bühnen Halle)
Emre Akal
Nachkommen – Ein lautes Schweigen! (Theater Münster) Göttersimulation (Münchner Kammerspiele)
Dogan Akhanli
Medea 38 / Stimmen (Theater Bonn)
Bachtyar Ali
Die Besetzung der Dunkelheit (Staatstheater Wiesbaden)
Suzanne...
