Mehr aufgeschlitzte Bäuche!
Weit weg vom dramatischen Theater führt das Werk des polnischen Künstlers Tadeusz Kantor», schreibt Hans-Thies Lehmann in seinem 1999 publizierten paradigmatischen Lang-Essay «Postdramatisches Theater». «Sein Werk umkreist in obsessiver Weise die eigenen Kindheitserinnerungen und weist schon deswegen eine Zeitstruktur der Erinnerung, Wiederholung und Konfrontation mit Verlust und Tod auf.» Lehmann begreift Kantors Theater als «Zeremonie», die befreit ist von «naivem Vormachen», als «quasi rituelle Form der Vergangenheitsbeschwörung».
Gut 300 Seiten nach den Überlegungen zu Kantor analysiert der Theaterwissenschaftler auch den postdramatischen Einsatz von Technik und Medien beim New Yorker Kollektiv Wooster Group. Beide gelten längst als Ikonen des «Postdramatischen Theaters», auch wenn sich ihr Einfluss als Avantgarden zeitlich und ästhetisch sehr unterschiedlich verortet. – Mit der Inszenierung «A PINK CHAIR (In Place of a Fake Antique)» unternimmt die Wooster Group den ambitionierten Versuch, die Theatergeschichte in die Gegenwart zu holen.
Auch beim Festival Internationale Neue Dramatik (FIND) an der Schaubühne hat das «Postdramatische Theater» mittlerweile die titelgebende ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juli 2023
Rubrik: Festivals, Seite 36
von Anja Quickert
DRESDEN, ALBERTINUM/ STÄDTISCHE GALERIE bis 13.8.,
«Ich halte doch nicht die Luft an.» Cornelia Schleime – frühe Werke / Cornelia Schleime «ich lass mich nicht spannen – lass mich nicht flechten»
Parallel stattfindende Ausstellungen zeigen Schleimes zwischen 1982 und 1984 produzierte experimentelle Super-8-Filme und ihre fotografisch festgehaltenen...
Zu dritt stehen sie zu Beginn auf der Bühne, in schwarzen Smokings, Fliege und weißen Hemden wie aus dem Ei gepellt: Der hochgewachsene Stefan Hunstein mit langem, strähnigem Haar, der vergleichsweise zarte Jens Harzer mit graumeliertem Wuschelkopf, und Marina Galic, die wie ein junger Mann etwas linkisch unter der schwarzen Tolle hervorlugt. Eine Band, eine...
Wo Margit Carstensen war, war Theater interessant. In Bremen mit Fassbinder, in Bochum mit Leander Haußmann oder Dimiter Gotscheff, in Berlin mit Schlingensief oder Pollesch. Ein Nachruf
Spät entdeckt und eine kulturpolitische Bombe: Brechts Gespräch mit Carl Linfert vom April 1949. Eine Rekonstruktion
Felicia Zeller hat sich für ihr neues Stück unter anderem in...
