Mama, warum?
Mit einem Knall und kollektivem Zusammenzucken im Publikum geht das Saallicht aus, Blackout. Der effektvolle Anfang macht das Erschrecken am eigenen Zuschauer:innenleib erfahrbar, das dieser Abend aufrufen will: Erschrecken über das Andere, Erschrecken über sich selbst. Folgt auf den Schock die Erkenntnis? Wenn der rote Plüsch des Guckkastenvorhangs sich hebt, elegant zur Seite hoch wie im Puppentheater, gibt er erst mal den Blick auf eine leere, düstere Bühne frei.
Sie bevölkert sich wie im Traum mit animierten Wänden, Zimmerecken, die von selbst hereinfahren, einem Kochherd, der kreiselnd seinen Platz sucht. Eine surrealistische Irritation – Bilder wie dieses gehören zu den Stärken der «visuellen Albtraumanalyse» von Anta Helena Recke, Maxi Menja Lehmann und Anna Froelicher, die sie als Auftragswerk für das Schauspielhaus Zürich entwickelt haben. Sie stellen sie unter ein Motto von Antonio Gramsci: «Die alte Welt liegt im Sterben, und die neue kann noch nicht geboren werden. Jetzt ist die Zeit der Monster.»
Die Monster und Monstrositäten, die Recke/Lehmann/ Froelicher untersuchen, liegen im Verhältnis von Kind und Mutter, spezifisch weißer Mutter und nichtweißem Kind im ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 26
von Andreas Klaeui
Einmal im Jahr 1989, als die Mauer offen ist und sich der politische Protest langsam von den Straßen wieder in die Gemeinderäume der Bürgerbewegung verschiebt, heißt es: «Der langweiligste Teil war der bedeutendste einer Revolution. Aufruhr war nur am Anfang wichtig.»
Der Satz ist in mehrerer Hinsicht wahr. Auch in poetologischer. Es ist die große Kunst des Autors...
Es wirkt wie die Wartehalle eines Bahnhofs im Hinterland, in dem die russische Gutsbesitzerin zurückkehrt: Schmutzig gelbe Fliesen bedecken die grauen Wände, in die ein fraglich funktionierender Fahrstuhl eingelassen ist. Hoch oben hängt eine schmucklose Uhr, deren Anzeige schon lange stehen geblieben ist. Der einstige Reichtum der Familie scheint dem Verfall...
Ping! Eine Nachricht ploppt auf: «Werter Herr Doktor, Sie können ja nicht mal ein Paar Kinderbeine über den Marktplatz laufen sehen, ohne das Ihnen die Augen raushängen.» Das Image von Dr. Grips, eigentlich ein angesehener Arzt, kriegt plötzlich Einschusslöcher. So werden per Messengerdienst heute Fakenews gestreut. Im Roman «Veritas verhext die Stadt» der...
