Dresden Staatsschauspiel: Schottische Lichtdom-Architektur

Christian Friedel «Searching for Macbeth»

Theater heute - Logo

«Bitte erwarten Sie nichts, das ist nur ein theatralischer Trailer.» Mit diesem Vorwort lässt Regisseur, Hauptdarsteller und Musiker Christian Friedel gleich am Anfang die Luft aus sämtlichen Erwartungshaltungen, die sich an dieses «Searching for Macbeth» richten könnten. Per Video gibt es eine Einführung zum Stand der Dinge, was man eigentlich vorhatte (Musik, Tänzer, Massen!) und dass dies alles, Sie wissen schon, nicht so stattfinden kann, zumal das Stück ja ohnehin verflucht sei.

Flackernde Glühbirnen zum Einlass deuteten dies bereits an, und so vorgewarnt beginnt diese angekündigte Andeutung von Theater.

Und entwickelt vom ersten Moment an eine Wucht, die all das Vorgeplänkel als frivole Tiefstapelei erscheinen lassen. Hinter einem Gazevorhang steht der kleine Macbeth mit Krone und Schwert, während die drei Hexen als übergroße Geistergestalten ihre Weissagungen an den Mann bringen. Dazu perfekt orchestrierte Donner, Blitze zur horriblen Bilderbuchatmosphäre. Mac­beth erscheint in einer Art Lichtdom, alles strahlt weiß, und der spätere Königsmörder weiß noch gar nicht, wohin mit all den Prophezeiungen; erst seine Frau bringt ihn klar auf die Spur.

Keine originelle Lesart, aber ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Oktober 2020
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs

Weitere Beiträge
Oldenburg Staatstheater, Kleines Haus: Hamburger Kammerspiele

«In der heutigen Zeit möchten wir zur Entspannung leichte Musik.» / «Erheben Sie das Minderwertige doch nicht zum Symbol unserer Zeit!» / «Sie werden hiermit höflichst und inständigst gebeten, uns in Zukunft mit derartigem Quatsch zu verschonen.» Immunisiert sich Luise Voigt etwa gegen den erwarteten Shitstorm, indem sie noch vor Beginn ihrer Oldenburger «Draußen...

Mit allen Mitteln der Kunst

Wie spielt man in einem großen Haus Repertoiretheater trotz Pandemie? Am Hamburger Thalia versucht man es so: beschränkte Platzzahl, Plexiglasscheiben zwischen den Logen, ein Irrgarten von Zugängen ins Haus. Dabei geht es in Antú Romero Nunes’ «Ode an die Freiheit» um den Versuch, das Freiheitspathos aus drei Schiller-Dramen zu schälen. Also um politische Freiheit...

Freiburg Theater, Kleines Haus: Heilsame Erfahrung

Ludi zeichnet. Nichts, was heute noch zu Fame & Fortune führt. Schon gar nicht in diesem Future-City-Style, der jedes retro-chic animierte Online-Game zieren würde und der jetzt über die Videowand im Freiburger Theater flimmert. Nein, Ludi zeichnet Karikaturen für die Tagespresse. Ein aussterbendes Jobprofil, noch dazu ein mies bezahltes. Falls das Honorar...