Mainz: Die Erschütterung der Welt
In der Elternschaft trifft das Erhabenste auf das Profanste, der Zauber eines neuen Lebens auf die Fragen, wer den Windelmüll runterbringt und ob man jemals wieder wird schlafen können. In Nina Segals neuem Stück «Nachts (Bevor die Sonne aufgeht)» versucht ein Elternpaar, sein Schreikind zu beruhigen. Sein wunderbares, frischgeschlüpftes Schreikind. Währenddessen ploppen Schreckensnachrichten auf ihren Handys auf, heulen Polizeisirenen unter dem Fenster – «Unter dem Schlafzimmerteppich», heißt es einmal, «wird die Erschütterung der Welt nicht aufhören.
» Die Welt erscheint als bedrohlicher Ort für den winzigen neuen Menschen, der noch nichts alleine kann – außer schreien.
Simone Glatt hat das Stück am Staatstheater Mainz zur deutschsprachigen Erstaufführung gebracht, in der Spielstätte Filiale – einem ehemaligen Karstadt-Gebäude mit dem brüchigen Charme des Provisorischen, Hinterlassenen. In dem Text der jungen britischen Drehbuch- und Theaterautorin sprechen diese Eltern in der dritten Person, sprechen von einer Frau und einem Mann, und bestehen also von vornherein auf der Verallgemeinerbarkeit: Sie sind weniger Figuren mit bestimmten Charakterzügen, Träger*innen einer ...
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Theater heute März 2020
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Esther Boldt
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