Sara Stridsberg; Foto: picture alliance/dpa
Männer sind Gefühlskrüppel!
Wenn wir uns Wahrheit als stichhaltig wie Granit vorstellen und die Persönlichkeit als genauso wenig greifbar wie ein Regenbogen und realisieren, dass es das Ziel der Biografie ist, diese beiden in ein nahtloses Ganzes zu verschweißen, müssen wir zugeben, dass dies ein echtes Problem darstellt» (Virginia Woolf, «Granit und Regenbogen»).
Die schwedische Autorin Sara Stridsberg löst in ihrer Auseinandersetzung mit dem Leben der amerikanischen Feministin Valerie Jean Solanas (1936–1988) dieses Problem mit Bravour, indem sie sich entscheidet, eben nicht nur faktisch-biografisch zu arbeiten, sondern zusätzlich die Mittel von Theater und Fiktion nutzt, um zum emotionalen Kern von Solanas’ Persönlichkeit vorzudringen.
Das Stück verbindet Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Valerie Solanas’ Leben und emanzipatorischem Kampf in einer Todesvision, die sie in ihrer letzten Bleibe, dem Bristol Hotel in Tenderloin, San Francisco (einer Absteige für Drogenabhängige und Sozialfälle) überkommt. Es ist sowohl «Erinnerungswerkstatt» – also ein Raum der Rekonstruktion, des Suchens, Findens, aber auch Verwerfens – als auch eine «Traumfabrik» – also ein Ort der Überhöhungen, der produzierten ...
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Theater heute Jahrbuch 2017
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 179
von Jens Peters
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