Madonna kann der Schlüssel sein
Zuerst ist immer die Kunst. Kritik ist sekundär. Weshalb sich Kritik in erster Linie an der Kunst schult und nicht umgekehrt. Und weshalb die Neigung der Kritik immer eine Frage der ersten großen Liebe und die Perspektive eines Kritikers unbedingt immer auch eine Generationenfrage ist. Anders kann es gar nicht sein. Man wächst mit einer bestimmten Ästhetik auf, fühlt sich damit vertraut, glaubt, sie intellektuell zu erfassen. Bei mir war das von Anfang an die Baumbauer- beziehungsweise Marthaler-Schule.
Ich hatte in Basel studiert, und da waren Anfang der neunziger Jahre unter der damaligen Baumbauer-Intendanz Leute wie Christoph Marthaler, Jossi Wieler, Frank Castorf, Matthias Lilienthal, Anna Viebrock, Stephanie Carp, die Schauspieler André Jung oder Josef Ostendorf noch ganz am Anfang. Das war meine Initiation. Theater als Lebensraum, natürlich auch als intellektueller Lifestyle und Herausforderung an den herrschenden Konventionsgeist. Was für Leute, die zwanzig oder dreißig Jahre älter sind als ich, einmal Peter Stein und seine Berliner Schaubühne waren, das war für mich der Start der Baumbauer-Schule. That was it. Und so war es auch nicht verwunderlich, dass ich mich, als die ...
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Dieser Krieg der Generationen ist schon entschieden. Gewinnerin ist die zehnjährige Alegra, die ihre Familie so unter der Fuchtel hat, dass sie nach Opas Tod direkt die Wohnung erbt und die Eltern nun quasi bei ihr wohnen. Solche Gewinner zu hassen ist freilich leichter, als diesen Hass so zu formulieren wie Biljana Srbljanovic: «Es ist vielleicht wirklich nicht...
Der Mohr hat seine Schuldigkeit längst noch nicht getan. «Ich bin nicht, was ich bin!», sagt Shakespeares schwarzer Mann. Die Frage, die das Ich im Innersten zerreißt, scheint so zeitlos akut zu sein, dass die Theater sich ihr programmatisch widmen. Das Düsseldorfer Schauspielhaus etwa startet mit dem Motto und dem Drama Ende September in seine neue Intendanz,...
Das Haus ist groß und leer, ein white cube aus Rigips mit Satteldach. So gemütlich sehen die Mannschaftszelte von innen aus, die von der Bundeswehr in Katastrophengebieten zur Erstversorgung aufgestellt werden. Nun sprengt die Notunterkunft beinahe die geräumige Bühne des Hamburger Schauspielhauses, und trotz ordentlicher Belegung bleibt noch viel Platz für...
