Leichen pflastern ihren Weg
Da steht er, der Triceratops. Streckt sein behörntes Haupt in einen wolkigen Himmel, als wittere er etwas Vielversprechendes, während im Hintergrund bereits sein Fressfeind lauert, der Tyrannosaurus Rex. Die Rivalität der Ausgestorbenen stimmt in den Abend ein, der von einigen schrägen Figuren handeln wird, die sich bereits auf der Schwelle zum Tod bewegen, oder zumindest recht energisch mit ihrer Sterblichkeit liebäugeln, um ihr einen Lebenssinn abzutrotzen.
In den Kammerspielen des Schauspiel Frankfurt hat Rieke Süßkow «Mein Lieblingstier heißt Winter» auf die Bühne gebracht, Ferdinand Schmalz’ Romandebüt von 2021. Alle Figuren tragen sprechende Namen. Sie heißen Schauer und Schlicht, Bitter und Teufel und sind also nachweislich eher Schatten eines Selbst, eher Repräsentant:innen und Schießbudenfiguren als vollausgestattete Charaktere. Ein allmächtiger Erzähler sortiert sie wie Spielfiguren auf dem Feld.
In dem knapp 200-seitigen Roman fährt Tiefkühlkostlieferant Franz Schlicht während der Hundstage seine Ware aus wie stets, als ein langjähriger Kunde mit einer ungewöhnlichen Bitte daherkommt: Dieser Schauer möchte sich, krebserkrankt, mit Tabletten betäubt in seine ...
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Theater heute Juni 2023
Rubrik: Aufführungen, Seite 21
von Esther Boldt
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