Leben bleibt Traum
Schöne Träume, schlimme Träume? Gute Zeiten, schlechte Zeiten? Was kann man aus Europas Träumen herauslesen über unseren gerade ziemlich gebeutelten Kontinent, der sich lange als eine Insel der Seligen sah, wirtschaftlich prosperierend in liberalen, demokratisch selbstorganisierten Gesellschaften, die sich plötzlich mit politischer Instabilität, Kriegen und Abstiegsängsten herumplagen? Obwohl es den meisten Leuten dort, zumindest im globalen Vergleich, noch erstaunlich gut geht.
Schwer zu sagen, wie es uns geht im Licht von Wolfram Lotz’ «Träume in Europa», einem Textsortenexperiment der besonderen Art. Fünf Jahre lang hat sich Lotz in europäischen Internetforen wie «deutung.com» oder «silence.macedoniaforum.net» umgesehen, auf denen die Teilnehmer ihre Träume aufschreiben, diskutieren, interpretieren. 113 kurze Traumtexte hat er daraus destilliert, manche nur 5 Zeilen lang, andere gehen über ein paar Seiten. Dabei ist er wie der Redakteur eines Nachrichtenkanals vorgegangen: auswählen und überarbeiten, bis alles auf einen uniformen Sound getuned ist – eine Folge gut lesbarer, nicht zu komplizierter Indikativsätze. Träume, runtergekocht auf Aussagen, die Sachverhalte wiedergeben, ...
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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille
Paradox: An der «Dreigroschenoper» störte Bertolt Brecht ihr überwältigender Publikumserfolg. Die Zuschauer:innen lieben bis heute Kurt Weills unmittelbar in den Hörsog ziehende Ohrwurm-Musik, Brechts pointierte, zum Teil ins deutsche Sprichwörtertum eingegangene Songtexte, die schrägen Figuren, kurz: die gute Unterhaltung eines vermeintlich bloß amüsanten...
Theater heute «Wokey Wokey» trägt sein Thema im Titel. Es geht um eine gescheiterte Neuverfilmung von George Orwells «1984», bei der die Sprech- und Denkverbote mit woken Thesen gleichgesetzt werden. Das Thema verfolgt Sie: Schon 2017 haben Sie im Berliner Gorki Theater ihr Stück «The Sequel» uraufgeführt, in dem es ebenfalls um eine Neuverfilmung von «1984» geht,...
Manchmal holt das Theater die Wirklichkeit nonchalant ein. Während draußen über Ölund Kerosinkrise diskutiert wird, ragt ein riesiger Flugzeugflügel auf die Studiobühne im Theaterhaus Jena. Mona Louisa-Melinka Hempel, Thato Kämmerer, Jonathan Perleth und Matondo Castlo spielen, springen und tanzen auf dem und um das von Marie Alice Bahra erdachte Flügelszenario...
