Leben bleibt Traum

Zwei Uraufführungen über entgleisenden Alltag: Wolfram Lotz’ «Träume in Europa» in Dresden und Kevin Rittbergers «Wunde Stadt» in Magdeburg

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Schöne Träume, schlimme Träume? Gute Zeiten, schlechte Zeiten? Was kann man aus Europas Träumen herauslesen über unseren gerade ziemlich gebeutelten Kontinent, der sich lange als eine Insel der Seligen sah, wirtschaftlich prosperierend in liberalen, demokratisch selbstorganisierten Gesellschaften, die sich plötzlich mit politischer Instabilität, Kriegen und Abstiegsängsten herumplagen? Obwohl es den meisten Leuten dort, zumindest im globalen Vergleich, noch erstaunlich gut geht.

Schwer zu sagen, wie es uns geht im Licht von Wolfram Lotz’ «Träume in Europa», einem Textsortenexperiment der besonderen Art. Fünf Jahre lang hat sich Lotz in europäischen Internetforen wie «deutung.com» oder «silence.macedoniaforum.net» umgesehen, auf denen die Teilnehmer ihre Träume aufschreiben, diskutieren, interpretieren. 113 kurze Traumtexte hat er daraus destilliert, manche nur 5 Zeilen lang, andere gehen über ein paar Seiten. Dabei ist er wie der Redakteur eines Nachrichtenkanals vorgegangen: auswählen und überarbeiten, bis alles auf einen uniformen Sound getuned ist – eine Folge gut lesbarer, nicht zu komplizierter Indikativsätze. Träume, runtergekocht auf Aussagen, die Sachverhalte wiedergeben, ...

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Theater heute Juli 2026
Rubrik: Aufführungen, Seite 20
von Franz Wille

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