Learning or Leaving Las Vegas
Sehr wahrscheinlich haben Menschen schon in der Altsteinzeit Echo und Schallwellen zur Orientierung in dunklen oder unbekannten Höhlen genutzt. Auch die religiöse Musik des 16. Jahrhunderts, die ihre metaphysischen Quellen in der antiken Sphärenharmonie hat, könnte mit den beeindruckenden mehrchörigen Werken als Suche nach gemeinschaftlicher akustischer Orientierung verstanden werden.
Adrian Willaert, ein Superstar des Cinquecento mit Fans in ganz Europa, gilt dabei als Wegbereiter der venezianischen Mehrchörigkeit, indem er in seinen Kompositionen Chöre und Instrumentalgruppen ganz bewusst für ein spezielles räumliches Erlebnis in der einzigartigen Architektur des Markusdoms anordnete.
Für die später entwickelte klassische Konzertkultur, in der sich bald der Dirigent als Machtposition zwischen Orchester und Publikum etabliert hatte, entwickelte Hans Scharoun mit der Berliner Philharmonie einen Raum, der Musik und Zuhörende wieder gleichzeitig ins Zentrum der Raumwahrnehmung setzte. Das 20. Jahrhundert brachte vor allem durch technische Entwicklungen radikale Änderungen akustischer Umgebungen und auch der Räume für Musik, Performance und Film. Am Beginn standen technische ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Moritz Lobeck
Vor bald 40 Jahren, im Mai 1986, hatte Gordana Kosanovic, nach der dieser Preis benannt ist, Premiere mit Wedekinds «Lulu». Es war ihre zweite Lulu in einer Inszenierung von Roberto Ciulli und ihre letzte Rolle. In der ersten Lulu fünf Jahre zuvor hatten sich drei Schauspielerinnen die Figur geteilt und ihre jeweiligen Perspek -tiven darauf gezeigt, eine davon...
Aus der Erinnerung gibt es kein Entkommen, sie vergiftet die Gegenwart in vielen Schichten. Spektakulär und alptraumhaft verschieben sich die Wände, die Andreas Kriegenburg in Düsseldorf als Bühne gebaut hat. Immer neu beleuchtete klaustrophobische Räume wachsen hier wie Lebewesen: Von der einen Seite sind es holzarti -ge Lattenzäune, von der anderen Seite sterile,...
Es hilft, wenn man nach dem Theaterabend «Den Aufstand proben – Handbuch einer Hausbesetzung» selbst in den Magnitorwall 18 einbiegt. Und wenn man dort noch das Glück hat, dass einen eine Theatermitarbeiterin kurz und beherzt hineinführt in die Räume. Die Räume, die jetzt Theaterbüros sind und damals Wohnungen waren: großbürgerlich hohe Decken, prunkvoller Stuck...
