Frauengefängnis
Aus der Erinnerung gibt es kein Entkommen, sie vergiftet die Gegenwart in vielen Schichten. Spektakulär und alptraumhaft verschieben sich die Wände, die Andreas Kriegenburg in Düsseldorf als Bühne gebaut hat. Immer neu beleuchtete klaustrophobische Räume wachsen hier wie Lebewesen: Von der einen Seite sind es holzarti -ge Lattenzäune, von der anderen Seite sterile, nackte Krankenhaustüren.
Sie kommen von oben oder von unten, verschieben, verengen, begrenzen, bedrängen, bilden immer neue Gefängnisse, reale und innere in den Köpfen der drei Frauen, die im Zentrum des Geschehens stehen, die Alte, die Mittlere und die Junge. «Die Alte» liegt im Krankenhaus, nachdem sie gestürzt ist, im April 1945 denunzierte sie einen Soldaten, der desertieren wollte und dafür standrechtlich erschossen wurde. Nach Kriegsende wurde sie verurteilt und kam zwölf Jahre lang in Haft.
Doch Ewald Palmetshofer, der 2015 mit dem Stück «die unverheiratete» den Mülheimer Dramatikerpreis gewann und in mehrere Sprachen übersetzt wurde, geht es nicht nur um die authentische historische Episode, die ihn zum Schreiben inspirierte, sondern darum, wie sich Schuld in den Generationen danach ablagert. Traute Hoess spielt ...
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Theater heute August/September 2024
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Dorothea Marcus
Er muss schon ein rechter Kotzbrocken gewesen sein, dieser Märchenonkel. «Der arme Andersen war lästig, die schlimmste Last aber blieb er sich selbst», schreibt der Literaturkritiker Michael Maar in seinem Buch «Leoparden im Tempel» über den Dichter Hans Christian Andersen. Und weiter: «Durch heillosen Egozentrismus fiel er noch den geduldigsten Gastgebern zur Last...
«Man darf die Brücken nicht abreißen lassen.» Theaterdirektor Karl spricht diese Worte mit Blick auf seine Frau Edda ebenso gelassen wie sehnsüchtig aus. Sie markieren den diskursiven Stand des Heute genauso wie die Moral von Kleists «Kohlhaas», der hier in Meiningen in einer Bearbeitung von Björn SC Deigner auf die Bühne in den Kammerspielen gekommen ist. Deigner...
Wir leben. Wir leben. Hauptsache, wir leben, und viel mehr ist es auch nicht als leben nach Verlassen der heiligen Heimat. Keiner schaut gnädig herab auf unseren Zug, aber auf uns herabschauen tun sie gern. Wir ohen, von keinem Gericht des Volkes verurteilt, von allen verurteilt dort und hier. Und hier sitzen wir jetzt herum, Heilige, außer Dienst gestellt. Worauf...
