Kunstblut in Strömen
Gut drei Dutzend Eimer Kunstblut versickern jeden Abend im Gitterrostboden, dazu vier Akteure in wechselnden Figurenkonstellationen, eine Konfetti-Kanone und immerhin mehr als die Hälfte vom Originaltext «Hamlet» – so macht sich Christopher Rüping, der junge Hausregisseur der Münchner Kammerspiele, über Shakespeares Prinzen her und entdeckt dabei im notorischen Zauderer einen manisch-radikalen Regisseur des Untergangs. Im Residenztheater dagegen lassen Andreas Kriegenburg und sein Bühnenbildner Harald B.
Thor die Bühne abheben wie ein taumelndes Ufo, von dem sich die Spieler vor blutrotem Hintergrund als Schattenrisse kopfüber in einen gefederten Abgrund stürzen – «Life’s but a walking shadow …» sagt Macbeth, sein Ende bereits vor Augen. Das böse Märchen erzählt Kriegenburg in Bildern von erlesener Gewalt, wobei die Blutkonserven hier etwas gezielter zum Einsatz kommen.
Ist das nun Performance oder schon wieder Schauspiel oder doch umgekehrt? Und sagt diese ebenso vehement wie inhaltlich unscharf geführte Debatte der vergangenen Monate tatsächlich etwas über die aktuelle Situation der deutschsprachigen Theaterinstitutionen? Zufällig zeitgleich standen in München zwei blutige ...
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Theater heute März 2017
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Silvia Stammen
Der Galgen ist ein Turngerät. Am dicken Strick, der an ihm hängt, lässt es sich wunderbar durch die Lüfte schaukeln. Am allerbesten versteht sich in dieser Inszenierung der «Komödie der Irrungen» der Kerkermeister darauf. Er ist in Gestalt von Merlin Sandmeyer ein spaßiger Gevatter Tod, ein stöckchendünner Zappelphilipp der Unterwelt, ein akrobatischer Komödiant...
Premieren im März
Aachen, Grenzlandtheater
13. Zeller, Der Vater
R. Rüdiger Pape
Aachen, Theater
30. Soleimanpour, Weißes Kaninchen, rotes Kaninchen (Theaterexperiment)
R. Ensemble
31. Capote, Frühstück bei Tiffany
R. Jan Langenheim
Aalen, Theater der Stadt
25. Lessing, Nathan der Weise
R. Tina Brüggemann
Altenburg/Gera, TPT
9. McNally, Meisterklasse
R. Kay Kuntze (Altenburg)
2...
Jetzt seid Ihr schon vier Frauen in der Jury und schafft es nicht, mehr als eine Regisseurin zum Theatertreffen zu bringen?» So in etwa lautete die absolut nachvollziehbare, männlicherseits nicht ganz hämefreie Kritik nach der Bekanntgabe der diesjährigen Auswahl. In der Tat hatte sich die weibliche Mehrheit in den vergangenen Monaten mit wachsendem Unbehagen über...
